29. Jan. 2026
11 Fragen an LASK-Sportchef Buric: „Das kann Didi wie kein anderer“
Keine Frage: Das spektakulärste Team des vergangenen Herbstes war der LASK. Einem veritablen Fehlstart folgte unter Neo-Trainer Didi Kühbauer eine fulminante Aufholjagd, die die Linzer bis auf Platz zwei der Tabelle spülte – und so manchen Traum vom Titelgewinn gedeihen ließ. Wir haben uns mit Sportdirektor Dino Buric unterhalten und ihn in unserer Rubrik „11 Fragen an…“ um seine Einschätzungen gebeten.
1) Nach der fulminanten Aufholjagd träumt so mancher schon vom ersten Titelgewinn des LASK seit 61 Jahren. Der Rückstand auf Tabellenführer Salzburg beträgt nur drei Punkte. Fangen Sie die Euphorie mit dem Lasso ein oder lassen Sie ihr freien Lauf?
Wir müssen nichts einfangen. Wir wissen genau, wo wir herkommen und dass wir gut beraten sind, demütig zu bleiben. Es wird schwierig genug, sich in den Top 6 zu etablieren, der Vorsprung auf Platz 7 beträgt gerade mal vier Punkte. Es kann also auch schnell wieder in die andere Richtung gehen. Trotzdem gehen wir voller Elan ins Frühjahr und wollen unseren Lauf verlängern.
2) Der LASK startet im ÖFB Cup gleich mit einem Heim-Derby gegen Blau-Weiß. Genau die richtige Aufgabe, um auf der Welle der Euphorie weiter zu surfen?
Wir freuen uns irrsinnig auf dieses Spiel. Ein Abendmatch vor vollem Haus mit der Chance, in das Halbfinale einzuziehen. Was gibt es Schöneres? Wir wissen aber auch, wie schwer die Aufgabe wird. Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, der Spirit im Team ist hervorragend. Schön, dass es endlich wieder losgeht.
3) Sie haben gesagt, Didi Kühbauer habe dem LASK neues Leben eingehaucht. Was war die entscheidende Stellschraube, an der er gedreht hat?
Ein Mix aus vielem. Wie geht er mit der Mannschaft um? Wie ist seine Ansprache? Bis hin zu: Was hat er auf dem Platz umgestellt, welche feinen Änderungen hat er am System vorgenommen? Er hat einige Spieler auf Positionen eingesetzt, auf denen sie sich wohler fühlen, wo sie der Mannschaft mehr Stabilität geben können. Er hat gleich gespürt, dass den Jungs Selbstvertrauen fehlt, das hat er ihnen zurückgegeben. Das kann er wie kein anderer. Dazu kommt der direkte Umgang mit den Spielern. Da wird nichts ummantelt oder beschönigt, du weißt bei ihm immer direkt, woran du bist. Das war eine gute Abwechselung für die Jungs.
4) Wie groß war der Schatten, über den ihr springen musstet? Kühbauer zurückzuholen war ja auch ein Eingeständnis, dass seine Entlassung vor gut zwei Jahren ein Fehler war.
Ja, das stimmt! Wir haben das aber auch ganz klar gesagt, dass die Trennung von ihm nicht unsere beste Entscheidung war. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt mit Didi positiv in eine gemeinsame Zukunft schauen. Didi hat von Beginn an klar signalisiert, dass er richtig Lust auf die Aufgabe und sehr schöne Erinnerungen an Linz, das Umfeld und den Verein hat. Das war die Basis.
5) Wenn man einem direkten Liga-Konkurrenten während der Saison den Trainer abwirbt – hat man da auch den Anflug eines schlechten Gewissens? Oder ist das einfach Teil des Profigeschäfts?

Schlechtes Gewissen… Es gibt immer gewisse Vertragskonstellationen, die man eingeht, in welche Richtung auch immer. Mit diesem Risiko müssen alle Beteiligten dann auch leben. Das ist bei Spielern übrigens nichts anderes. Wir schauen auf uns und wollen mit dem LASK erfolgreich sein. Dabei war Didi ein ganz wichtiger Faktor.
6) Welche Rolle hat bei eurer Aufholjagd gespielt, dass auch das Umfeld in Sachen Fans oder bei der Dressenfrage befriedet wurde? So ruhig war es rund um den LASK lange nicht.
Eine große Rolle. Es geht nur gemeinsam mit den Fans. Wir sind sehr dankbar für den Rückhalt, den wir in den Heimspielen, aber auch auswärts bekommen. Keiner wünscht sich, so wie zu Saisonbeginn, Spiele, bei denen wenig Stimmung aufkommt. Das ist auch für die Spieler keine schöne Situation. Daher sind wir sehr froh, dass es wieder einen gemeinsamen Weg gibt.
7) Auch der Transferwinter war eher ruhig, außer Xavier Mbuyamba vom FC Volendam gab es keine Neuzugänge. Oder rechnen Sie noch mit größeren Bewegungen?
Für uns war Innenverteidiger eine Schlüsselposition, da wollten wir reagieren. Durch die Systemumstellung auf Dreier- bzw. Fünferkette ergab sich dort ein Bedarf. Außerdem ist es ein Vorgriff auf den Sommer, um den Abgang von Modou Keba Cisse (zu Aston Villa) zu kompensieren. Wir halten weiter die Augen offen, haben aber keine konkreten Absichten. Es kann allerdings durchaus sein, dass uns der eine oder andere Spieler noch verlassen wird.
8) Wie sind die bisherigen Eindrücke von Xavier Mbuyamba?
Er ist ein sehr besonnener, intelligenter junger Mann, der schon ein bisschen was hinter sich hat. Er strahlt eine gewisse Ruhe am Ball aus und kann für uns sehr wertvoll in der Spieleröffnung sein. Und er bringt auch dank seiner Physis viele Dinge mit, die uns helfen.
9) Ihm wurde 2024 ein Defibrillator eingesetzt. Besteht aus Ihrer Sicht ein Restrisiko?
Mir gefällt der Begriff Restrisiko nicht, weil wir ja über ein menschliches Schicksal sprechen. Wir haben ihn ausgiebig durchgecheckt. Und man muss ja auch sagen: Die Diagnose ist während einer Vorsorge-Untersuchung aufgepoppt, er hatte nie wirklich Probleme. Er hat sich für die Vorsichtsmaßnahme mit dem Defibrillator entschieden, das gilt es zu respektieren. Und bei unserem medizinischen Team ist er sicher in sehr guten Händen.
10) Wer im Herbst noch nicht wirklich zum Zug kam, ist Sasa Kalajdzic, der bis Saisonende von den Wolverhampton Wanderers ausgeliehen ist. Wird mit ihm im Frühjahr zu rechnen sein?
Absolut! Man muss Sasa gewisse Zeit einräumen. Er war so lange mit schwerwiegenden Verletzungen raus, da kannst du nicht einfach innerhalb von sechs Monaten zu alter Stärke zurückfinden. Er hat alle Trainingseinheiten mitgemacht und die komplette Vorbereitung absolviert. Man merkt ihm an, dass er eine gewisse Spritzigkeit und Lockerheit an den Tag legt und zusehend mehr Vertrauen in seinen Körper bekommt. Ich glaube schon, dass er noch ein sehr wichtiger Faktor für uns werden wird. Das gilt übrigens auch für Max Entrup.
11) Mit den beiden genannten Spielern hattet ihr kurioserweise oft zwei Nationalstürmer auf der Bank. Wie ist die Situation bei Entrup? Soll er abgegeben werden?
Wir sind froh, dass wir ihn haben und dass es bei uns im Angriff einen gesunden Konkurrenzkampf gibt. In der Pause wurde alles wieder auf Null gestellt, alle konnten sich anbieten. Jetzt liegt es an den Jungs, wer seine Qualitäten am besten abruft. Eine Leihe kann ich bei Max vollkommen ausschließen, wir haben diese Gerüchte auch mit einer gewissen Verwunderung wahrgenommen. Offiziell lag nie etwas auf unserem Tisch. Wir planen jedenfalls mit ihm. Da müsste schon etwas Außergewöhnliches kommen, damit wir über etwas nachdenken.
Text: Markus Geisler; Fotoss: GEPA pictures