10. Apr. 2026
Albert Vallcis verrückte Fußball-Reise: „Die Krönung? Der Titel mit Sturm!“
Dieser Mann hat im Fußball so gut wie alles erlebt. Albert Vallci, aus der Schweiz zurückgekehrter Innenverteidiger von Sturm Graz, war Meister, Cupsieger, Absteiger, Aufsteiger, Fast-Nationalspieler, Langzeitverletzter und vieles mehr. „Stimmt, es ist eine ganze Menge passiert“, sagt der Defensiv-Spezialist. „Aber es kommen auch heute immer noch Sachen dazu, bei denen du denkst: Es hört nicht auf, es bleibt immer spannend.“ Wir sind mit dem 30-Jährigen die Meilensteine seiner Laufbahn, die ihn von Kapfenberg nach Lafnitz, Horn, Innsbruck, Salzburg, St. Gallen und jetzt Graz führte, durchgegangen.
Seine vier Double-Siege mit Red Bull Salzburg
Von 2019 bis 2022 gehört Vallci der Salzburger Mannschaft an, die sich den Ruf des Serienmeisters erwarb. „Die beiden speziellsten Meistertitel waren die in der Corona-Zeit, 2020 und 2021, zu denen habe ich am meisten beigetragen“, sagt er. Zumal er aufgrund von Verletzungen und Ausfällen verschiedene Positionen bekleidete und lange als Rechtsverteidiger auf dem Platz stand. Und obwohl er viermal auch den ÖFB Cup gewann, erlebte er nur ein Finalspiel auf dem Platz – das 5:0 gegen Austria Lustenau 2020. „Ein Cup-Endspiel zu absolvieren, ist immer cool, leider war es wegen Corona vor leeren Rängen“, erinnert er sich. Ebenso hoch bewertet er seinen allerersten Cup-Titel im Jahr zuvor, obwohl er beim 2:0-Erfolg gegen Rapid 90 Minuten auf der Bank saß. „Aber ich habe im Halbfinale beim 6:0-Sieg beim GAK durchgespielt, außerdem war es der erste große Titel in meiner Karriere. Das bleibt für immer in Erinnerung.“

Sein Wechsel ins Ausland 2022
16 Monate absolvierte Vallci kein einziges Bewerbsspiel, weil er sich im März 2021 die Achillessehne riss – und dann merkte, dass er bei Red Bull Salzburg trotz eines noch zwei Jahre laufenden Vertrages keine Zukunft mehr hat. „Ich hatte echt Lust auf etwas Neues, wollte etwas anderes sehen“, sagt er. Da kam das Interesse von Peter Zeidler, Ex-Salzburg-Trainer in Diensten des FC St. Gallen, gerade recht. „Meine Freundin und ich wollten immer schon die Schweiz bereisen, wir mochten das Land sehr.“ Also unterschrieb er beim Traditionsklub und Publikumsmagneten und fasste wieder Fuß im Profifußball. „Ich bin ein emotionaler Spieler, der viel über Energie kommt, das verkörpert dieser Verein. Deshalb war es eine richtig tolle Zeit dort für mich.“
Seine Nationalteam-Einberufung 2019
Einmal schaffte es Albert Vallci in den Kader des ÖFB-Teams, 2019 nominierte ihn Franco Foda für die beiden EM-Qualispiele gegen Slowenien und Nordmazedonien. Im ersten Match saß er noch auf der Tribüne, im zweiten sah er den 4:1-Auswärtssieg 90 Minuten auf der Bank. „Ich bin kurz zuvor von Wacker Innsbruck nach Salzburg gewechselt, hab das Double gewonnen, in der Europa League debütiert – da war die Einberufung nochmal ein echtes Highlight einer verrückten Zeit.“ Dass es nicht zum Debüt kam, ärgert ihn viel weniger als die Tatsache, dass er später eine Nominierung absagen musste – weil es in Salzburg einen falschen Corona-Test gab. „Das finde ich auch jetzt noch bitter.“ Ob er heute manchmal davon träumt, dass ihn Ralf Rangnick anruft, weil er einen verlässlichen Defensiv-Allrounder für die WM braucht? Vallci lachend: „Ich weiß, dass im Fußball viel möglich ist, aber das erscheint mir doch etwas realitätsfern. Das ist jedenfalls nichts, womit ich mich aktiv beschäftige.“
Seine Einsätze in allen drei Europacup-Bewerben
2x Champions League, 4x Europa League, 5x Conference League, dazu diverse Qualifikationsspiele – Albert Vallci hat alles erlebt, was der europäische Fußball zu bieten hat. Und auch, wenn bei seinen elf Einsätzen in Hauptbewerben einiges an Bemerkenswertem dabei war – das Startelf-Debüt in der Königsklasse vergisst er nie. Es war im Oktober 2020, ein 2:2 gegen Lok Moskau. „Das ist von nichts zu toppen, das werde ich mein Leben lang nie vergessen“, schwärmt er. „Die Reisen, die Stadien, die Fans – unvorstellbar! Das hätte ich mir nie träumen lassen, als ich mit 20 Jahren noch als Student unterwegs war.“
Seine schwere Verletzung mit dem Riss der Achillessehne
Fünf Minuten waren in einem Testspiel in der Länderspielpause im März 2021 noch zu spielen, als Vallci nach einem normalen Sprint plötzlich zusammenklappte. Die bittere Diagnose: Riss der Achillessehne. „In Thalgau habe ich gefragt: Was ist die kürzeste Zeit, mit der ihr bis jetzt jemanden zurückgebracht habt? Mit diesem Mindset ging ich in die Reha.“ Doch es gab Rückschläge, die nicht einfach zu verdauen waren. 16 Monate dauerte die Leidenszeit, in der Vallci kein Match bestritt. „Da fragst du dich schon, wie dein Körper sich in der Zeit verändert hat, ob du wieder mit 100 Prozent zurückkommst.“ Letztlich war der Wechsel nach St. Gallen die auch im Nachhinein gesehen genau richtige Maßnahme, denn: „Ich konnte dort wieder Fuß fassen, zu meiner alter Form und Stärke zurückfinden. Ich habe in meiner Zeit dort mehr als 100 Spiele absolviert, ohne auch nur eines wegen einer Verletzung zu verpassen.“
Seine Auf- und Abstiege zu Beginn seiner Karriere
Mit 21 Jahren wechselte Vallci zum damaligen Zweitliga-Aufsteiger SV Horn – um gleich in seiner Debüt-Saison in der 2. Liga wieder abzusteigen. „Das war schwer zu verdauen“, sagt er. „Ich habe für zwei Jahre unterschrieben, stand aber plötzlich ohne Vertrag da.“ Weil seine persönlichen Leistungen aber passten, holte ihn Zweitliga-Konkurrent Wacker Innsbruck. Ein Glücksfall. Mit drei Toren und fünf Assists half er mit, den Traditionsklub in die Bundesliga zu bringen. „So schnelllebig ist der Fußball – vom Absteiger in die 3. Liga zum Aufsteiger in die Bundesliga. Für mich als Spieler ein Traumszenario.“ Doch nicht nur sportlich bleibt die Zeit in Tirol in guter Erinnerung, denn: „Hier habe ich meine Freundin kennengelernt, mit der ich heute noch zusammen bin. Deswegen war es rundherum eine tolle Phase für mich.“

Seine einzige Rotsperre in seiner Profi-Karriere
Albert Vallci hat in seiner Profi-Karriere nur einmal eine Rotsperre absitzen müssen – doch die kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Beim letzten Spiel der Saison 2024/25 gegen Grasshoppers Zürich beging er bereits gelbverwarnt ein taktisches Foul 40 Meter vor dem eigenen Tor. Doch anstatt ihm Gelb-Rot zu zeigen, was keine Sperre nach sich gezogen hätte, zeigte ihm der Schiedsrichter glatt Rot. „Das finde ich noch heute skandalös“, sagt Vallci. Die Folge: In der Vorbereitung spielte er eine untergeordnete Rolle, weil er für den Saisonstart nicht in Frage kam. „Das hat mich einige Spiele gekostet. Die Mannschaft war gut drauf, es gab keinen Grund zu wechseln. Und als es welche gegeben hätte, wurde ich trotzdem nur selten berücksichtigt.“ Also reifte der Gedanke, einen Wechsel anzustreben. Mit ein Grund, warum er heute für Sturm Graz aufläuft.
Seine Rückkehr nach Österreich im Winter
Mit dem Wechsel zum Meister schließt sich für Vallci ein Kreis. Bei Sturm war er zu Beginn des Jahrtausends Einlaufkind. Hier bewarb er sich für die Akademie, wurde aber abgelehnt. Fan der „Blackies“ war er als gebürtiger Voitsberger sowieso. „Als der Anruf kam, musste ich nicht lange überlegen“, sagt er. „Die Chance, mit dem Klub meiner Heimat einen Titel zu holen, war total verlockend.“ Und er lieferte: Auf Anhieb wurde er zum Stammspieler und Leistungsträger, der die Mannschaft pusht und mitzieht. „Ich habe ein Alter, in dem man eine gewisse Vorbildfunktion an den Tag legen sollte. Das will ich vorleben für den maximalen Erfolg. Vor meinen Freunden und meiner Familie den Titel zu holen, wäre die absolute Krönung.“ Und ein weiterer Meilenstein auf der verrückten Fußball-Reise des Albert Vallci.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures