05. Mai 2026
Baden Frederiksen & Orie: Zwei Plädoyers für Europa Teil 1
Am 9. Mai feiert Europa den Europatag - und die Klubs der ADMIRAL Bundesliga feiern mit. Was der Fußball mit europäischen Werten zu tun hat und was sie auf ihren ausgedehnten Europa-Tourneen zu schätzen gelernt haben, erzählen WSG-Tirol-Profi Nikolai Baden Frederiksen und Altachs Sportkoordinator Eric Orie.
Die EU war noch die EG (Europäische Gemeinschaft) und hatte gerade einmal neun statt der heutigen 27 Mitgliedsstaaten, als 1974 die Bundesliga ihre Tore öffnete. Neben den 14 Spielern aus dem benachbarten Deutschland war es nur noch ein Dänen-Quartett, das die Europaflagge in Österreich (das erst 1995 der EU beitrat) hochhielt – Ove Flindt (SSW Innsbruck), Kjeld Seneca (Sturm Graz), Bent Jensen (Austria Klagenfurt) und Johnny Bjerregaard, der nach seinen torreichen Rapid-Jahren noch eine letzte Saison beim SC Eisenstadt dranhängte.
Heute ist Nikolai Baden Frederiksen einer von zwölf Dänen, die nach den 18 Deutschen immer noch die größte Gruppe an Legionären in der ADMIRAL Bundesliga bilden. Mit den Namen der Bundesliga-Pioniere aus seiner Heimat kann der 25-jährige Scharfschütze der WSG Tirol nicht mehr viel anfangen. Warum insgesamt bereits 46 Landsleute den Weg in die österreichische Liga gefunden haben, kann er zumindest nachvollziehen. „Es scheint, als hätten wir immer einen guten Plan gehabt, um weiterzukommen. Man muss sich nur anschauen, wo Rasmus Højlund, Tochi Chukwuani oder William Bøving heute sind“, verweist er auf Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. „Bei mir hat es ja auch geklappt, als ich das erste Mal da war“, spielt der Odenseaner auf seine kleine Europa-Tournee an, die er hinter sich hat, seit er in der Saison 2020/21 als Juventus-Leihspieler 18 Tore für die Tiroler erzielte.
Vitesse Arnheim (Niederlande), Ferencvaros (Ungarn) und IFK Göteborg (Schweden) waren neben Lustenau und Lyngby seine weiteren Auslandsstationen. „Ich kann mich schnell eingewöhnen“, hat Baden Frederiksen sich stets mit der Sprache und Kultur des jeweiligen Landes auseinander gesetzt. "Es ist ein Privileg, als Fußballer diese Möglichkeit zu haben und auch eine Sache des Respekts“, findet er. Auch wenn er zugeben muss, dass sein Tirolerisch noch lange nicht perfekt ist.

Die größten Unterschiede zu seiner dänischen Heimat hat er bislang in Ungarn erfahren. "Das ist von allen Ländern, in denen ich gespielt habe, auch am weitesten entfernt von Dänemark. "Die Fans sind lauter und enthusiastischer, der Lifestyle außerhalb des Klubs ein anderer. Aber bei Ferencvaros selbst denkt man sehr international. Die Kabinensprache ist Englisch und der Fokus des Klubs liegt weniger auf der heimischen Liga als mehr darauf, in Europa so weit wie möglich zu kommen.“
Spannend sei auf seiner Reise auch gewesen, die verschiedenen Spielarten des Fußballs kennenzulernen. „Fußball wird seit über 150 Jahren gespielt, klar, dass er sich unterschiedlich entwickelt hat. In Dänemark gibt es einen roten Faden im Fußball, der sich durch alle Klubs zieht. Wenn die Ausbildung überall gleich ist, ist es logisch, dass das auch dazu führt, dass im ganzen Land der gleiche Fußball gespielt wird.“ Andere Sichtweisen hätten aus ihm einen kompletteren Fußballer gemacht. Die größte Herausforderung sei dabei Italien gewesen. „So schön das Leben dort ist, bei Juventus lernst du nicht nur verteidigen, du musst auch lernen, dich gegen die besten Spieler der Welt durchzusetzen. Das kann ganz schön hart sein.“
Bei allen Aufs und Abs, die Nikolai Baden Frederiksen in seiner Karriere schon erlebt hat, eines hat er nie vergessen: „Fußball ist ein perfektes Tool, um Menschen miteinander zu verbinden. Junge und Alte, Buben und Mädchen, Fußball ist für alle da. Und auch wenn die großen Ligen sich immer weiter absetzen, Fußball ist Fußball - und auf der ganzen Welt können Kinder davon träumen, ein Ronaldo oder Messi zu werden.“
Deshalb freut er sich darauf, wenn am 9. Mai im Heimspiel gegen Blau-Weiß Linz die Europaflagge die Kapitänsschleife von Valentino Müller ziert und die Begleitkinder in Europatag-Shirts mit den Mannschaften einlaufen – um die integrative Kraft des Fußballs zu nützen und ein Zeichen für Europa zu setzen.
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures