25. Feb. 2026
Christopher Dibon: „Dieser Nervenkitzel ist verrückt!“
Christopher Dibon war Kapitän von Rapid und der Admira, hat in der Bundesliga alles erlebt und hat als sogenanntes One Hit Wonder eine 100-Prozent-Quote vorzuweisen, was Tore bei Länderspielen angeht. Wir sprachen mit ihm über den spannenden Endspurt im Grunddurchgang, das Erfolgsgeheimnis von Didi Kühbauer und seine Aufgabe als Talente-Manager in Hütteldorf.
Du hast für Rapid 131 Bundesliga-Spiele bestritten und bist heute als Talente-Manager für den Klub tätig. Wie groß war die Erleichterung, dass nach 12 sieglosen Spielen gegen den WAC der Befreiungsschlag gelang?
Ich war seit Längerem mal wieder im Stadion und muss sagen: Mit Blick auf die Tabelle war der Sieg brutal wichtig! Für einen Verein wie Rapid hat es eine sehr hohe Bedeutung, bei der Meistergruppe dabei zu sein. Es sind nur mehr zwei Runden zu spielen, alle kennen das Gerangel um den ominösen Strich.
Der Kampf um die Top 6 ist brutal, du hast die Meistergruppe mit Rapid einmal (2018/19) verpasst. Deine Erinnerungen?

Stimmt, wir wurden damals Achter, haben in der Abstiegsgruppe aber sehr gut performt und kamen ins Play-off um den Europacup. Daran habe ich keine guten Erinnerungen, wir sind aufgrund der damals noch gültigen Auswärtstorregel an Sturm gescheitert. Hätte es den VAR zu der Zeit schon gegeben, wäre es vielleicht anders ausgegangen.
Am Sonntag (17 Uhr, live auf Sky) geht es für Rapid zum Überraschungsteam Altach. Da steht eine Menge auf dem Spiel…
Sportchef Mecki Katzer hat es richtig gesagt: Am Sonntag hat man die Chance, einen direkten Konkurrenten rauszukicken. Ich bin aber kein Freund von zu viel Rechnerei. Am besten gewinnt man beide Spiele, dann reicht es sicher für die Meistergruppe. Auch wenn die Aufgaben in Altach und daheim gegen Salzburg schwer genug werden.
Die meisten deiner Pflichtspiele als Profi, nämlich 108, hast du unter Didi Kühbauer bestritten. Wie sehr wundert dich, wie er den LASK in die Spur zurückgebracht hat?

Das wundert mich gar nicht! Ich kenne ihn gut und lange, er war neben unserer gemeinsamen Zeit bei Rapid mein erster Profitrainer bei der Admira. Er hat mich dort zum Kapitän gemacht, wir sind gemeinsam aufgestiegen. Ich halte ihn für einen sehr guten Trainer.
Was macht ihn aus?
Für mich in erster Linie: sein brutales Auge! Er sieht sich einen Spieler an und weiß ganz genau, wo er ihn bestmöglich einsetzen muss. Wir wurden mit Rapid zweimal Zweiter unter ihm, waren international dabei, er hat mit dem WAC zuletzt den Cup gewonnen. Dass er beim LASK erfolgreich ist, wundert mich nicht. Ich glaube auch, dass die Linzer trotz des 1:5 gegen Salzburg bis zum Schluss um den Titel mitspielen werden. Das ist sicher auch Didis Verdienst. Ich mag ihn menschlich, mag seine Sicht auf den Fußball und auch seine Einstellung. Er ist einer, der immer ins Spiel geht, um es zu gewinnen. Das ist auch mein Ansatz.
Das heißt, du traust dem LASK den ganz großen Wurf zu?
Es ist doch so: Wenn die Halbierung der Punkte kommt, hat jedes Team, das in der Meistergruppe steht, die Chance auf den Titel. Alles ist ganz eng beisammen. Wenn sie auf das Niveau kommen, das sie im Herbst gezeigt haben, muss man die Linzer auf der Liste haben.
Du wurdest bei der Admira ausgebildet, der Klub kämpft um die Rückkehr in die ADMIRAL Bundesliga. Schaffen sie es dieses Jahr?
Ich kam mit zwölf Jahren in die Südstadt, habe es über die Akademie bis zu den Profis geschafft. Wir haben damals als Meister den Aufstieg geschafft. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie den Sprung schaffen würden, aber auch in der 2. Liga geht es brutal eng zu. St. Pölten, Amstetten, Austria Lustenau, das ist starke Konkurrenz, die auch hinauf will. Am Ende kommt es auch auf die Nervenstärke an.
Du fungierst bei Rapid als Talente-Manager. Wie genau sieht dein Job aus?
Parallel zu meinem letzten Jahr als Spieler, als ich mit Rapid II Meister in der Regionalliga wurde und in die 2. Liga aufgestiegen bin, habe ich schon verschiedene Stationen im Verein durchlaufen. Ich war im Scouting tätig, danach ergab sich die Möglichkeit, im Nachwuchsbereich etwas zu machen. Dort bin ich aktuell Bereichsleiter für die U13 bis U15. Ich bin bei Trainings dabei, scoute Spieler, spreche auch viel mit den Eltern.
Und machst nebenbei die Trainer-Ausbildung…
Ich bin zwar grad im B-Lizenz-Kurs, sehe meine Zukunft aber eher nicht als Trainer, sondern eher im Managementbereich. Ich habe bei Rapid ja nicht nur mit den Spielern zu tun, sondern achte auch darauf, wie sich unsere Trainer entwickeln. Ich schaue: Wie wird das, was wir als Akademie sehen wollen, an die Jungs herangetragen? Eine vielseitige und spannende Aufgabe, bei der man viele Entscheidungen treffen muss und bei der ich viel lernen kann.
Das klingt so, als ob du dich möglichst breit aufstellen möchtest.
Auf alle Fälle! Im nächsten Lehrgang möchte ich die Ausbildung am Bundesliga-Campus absolvieren und dort mein Wissen erweitern. Ich sehe mich jedenfalls nicht direkt am Platz, sondern eher in der Gestaltung einer Mannschaft, als einer, der sich um das Drumherum kümmert. Dafür muss man viele Erfahrungen sammeln, um möglichst gefestigt in eine solche Position zu gehen.
Als Nationalspieler bist du ein sogenanntes One Hit Wonder, allerdings mit der Besonderheit, bei deinem einzigen Länderspiel 2011 gegen Lettland auch ein Tor erzielt zu haben. Gehört das zu deinen Karriere-Highlights?

Natürlich! Für sein Land im A-Team zu spielen, ist immer ein Highlight, ich war damals auch noch relativ jung. Ich habe natürlich gehofft, dass mehr Spiele dazu kommen. Aber wer meine Karriere verfolgt hat, weiß, dass meine Verletzungsanfälligkeit immer großes Thema war. Ich habe mich zwar lange auf höchstem Niveau gehalten, also muss meine Qualität schon gepasst haben. Aber für das Ausland oder mehrere Länderspiele hat es nicht gereicht. Immer wenn ich auf einem Peak war, kam wieder eine Verletzung. Aber ich trauere sicher nichts nach, hatte eine sehr coole Karriere mit tollen Erlebnissen.
Ragt etwas heraus?
Als Rapidler ist es immer etwas Besonderes, ein Derby zu gewinnen, diese Siege bleiben hängen. Auch die Cup-Finalspiele, auch wenn wir sie nicht gewinnen konnten. Der ganz große Coup in Form eines Titels ist mir leider nicht gelungen, dafür hatte Salzburg aber auch immer eine brutal hohe Qualität. Im dritten Jahr unter Zoki Barisic waren wir relativ nah dran, konnten aber am Schluss das Niveau nicht mehr halten. International bleibt das 3:2 in der Champions-League-Qualifikation im Rückspiel bei Ajax in Erinnerung. Eine Woche vorher waren wir mit 0:2-Rückstand schon fast ausgeschieden und haben dann trotz einer Roten Karte noch ein 2:2 geholt. Dann noch in der Amsterdam Arena eine Runde weiterzukommen, war überragend!
Du hast im Sommer 2024 deine Karriere beendet. Wenn die Liga, so wie jetzt, beim Grunddurchgang in ihre Crunch-Time geht – kribbelt es da noch bei dir?
Das ist schon verrückt! Ich habe schon als Spieler immer über den Tellerrand geblickt, mir ging es immer um den Verein als Ganzes. Das ist auch heute noch so. Obwohl ich aktuell nicht viel mit der Kampfmannschaft zu tun habe, fiebere ich immer noch mit. Gerade in dieser spannenden Phase, in der es darum geht, oben dabei zu sein. Die Anspannung ist immer noch da, man ist ja irgendwo auch Fan. Ich hoffe sehr, dass Rapid es schafft. Der Nervenkitzel ist jedenfalls vorhanden.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures