26. Jan. 2026
Das sagen die Sportchefs der 12 Bundesliga-Klubs zum Start in die Frühjahrssaison
Knapp zwei Wochen vor dem Start in die Frühjahrssaison der ADMIRAL Bundesliga standen die zwölf Sportchefs der Erstligaklubs bei der traditionellen Pressekonferenz Rede und Antwort. Vom (BW)-Linzer Christoph Schösswendter bis zum Neo-Salzburger Marcus Mann.
FC Blau-Weiß Linz
Das Schlusslicht des Herbstdurchgangs geht mit einem neuen Trainer ins Frühjahr. Christoph Schösswendter hat den ehemaligen Nürnberg-Trainer Michael Köllner ins Hofmann Personal Stadion geholt. „Mit ihm haben wir einen erfahrenen Mann verpflichtet, der die Dinge wieder in die richtige Richtung bringen kann“, ist der Sportchef zuversichtlich. „In der kurzen Zeit haben der Trainer und das Team schon sehr gut zusammengefunden. Wenn die Anzahl der Niederlagen deutlich zurückgeht, wird es auch in der Tabelle schnell wieder in eine andere Richtung gehen.“
Grazer AK 1902
Bei den Grazer Rotjacken ist es Tino Wawra, der im Herbst Didi Elseng als Sportdirektor beerbt hat, erstmals seit der Neugründung des GAK gelungen, einen Spieler in eine Top-5-Liga zu verkaufen. Sadik Fofana hat nach 15 Einsätzen in der ADMIRAL Bundesliga bei US Lecce angeheuert. „Wenn ein Spieler kommt und sagt, dass er vom GAK in die Serie A wechseln kann, ist er schwer aufzuhalten. Aber wir haben versucht, auch für uns das Beste herauszuholen und am Ende war es eine Win-win-Situation.“ Fürs Frühjahr ruhen die Hoffnungen auf Mark Grosse, der von der SV Ried gekommen ist. „Wir haben im Herbst bewiesen, dass wir viel laufen können, nachdem wir in diesem Bereich im Vorjahr noch die schlechteste Mannschaft waren. Aber wir hatten schon fußballerische Themen in der Offensive und zwischen den Linien, da wird uns Mark mit seiner fußballerischen Qualität sicher weiterhelfen.“
WSG Tirol
„Wir haben die Punkte, die wir uns verdient haben", blickt WSG-Sportchef Stefan Köck nicht unzufrieden auf die Herbstsaison zurück, obwohl nach Auswärtssiegen gegen Sturm Graz und Red Bull Salzburg vielleicht sogar mehr möglich gewesen wäre als Platz 10. „Träumen ist im Fußball kein guter Ratgeber“, trauert er den Top 6 nicht nach. „Wir wollen guten Fußball zeigen, so viele Punkte wie möglich holen und unser erstes Ziel, den Klassenerhalt, schaffen.“ Dabei soll natürlich Kapitän Valentino Müller helfen, der im Herbst zum unerwarteten Torjäger der Tiroler wurde. „Wenn, hat der Trainer und das Trainerteam etwas mit ihm gemacht“, will sich Köck nicht mit fremden Federn schmücken. „Er hat sich als Persönlichkeit entwickelt, dann kommt der berühmte Lauf dazu. Er schießt bei uns mittlerweile auch die Elfmeter, aber die muss man auch erst machen. Und so ist er auf die acht Tore gekommen. Wir sind sehr zufrieden mit ihm.“
SCR Altach
Statt mit Fabio Ingolitsch über eine geplante Vertragsverlängerung zu sprechen, musste Philipp Netzer seinen Trainer an Meister Sturm Graz abgeben. „Das zeigt auch, dass man sich über Altach nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer präsentieren kann“, war Altachs junger Sportdirektor nicht unvorbereitet. „Wir haben mit Fabio einem jungen Trainer die Chance gegeben, sind den Weg gemeinsam mit ihm gegangen und er hat den nächsten Schritt machen können. Den gleichen Ansatz haben wir jetzt auch mit Ognjen Zaric.“ Das erste Wiedersehen mit dem Ex-Trainer gibt es für die Altacher schon am Wochenende, wenn sie im Viertelfinale des ÖFB-Cups auf Sturm treffen. „Das wird eher zur Nebensache werden, das Spiel ist eine riesige Chance für uns. Wir sind in der Lage, auch einem Gegner wie Sturm Graz Paroli zu bieten und eventuell auch noch den Lucky Punch zu landen.“
RZ Pellets WAC
Eine Achterbahnfahrt haben der WAC und Klubmanager Markus Perchthaler nach dem Abgang von Erfolgstrainer Didi Kühbauer hinter sich. „Mit Ismail Atalan sind wir aber zuversichtlich, dass es gut hineingeht in die Frühjahrssaison. Unser Ziel ist ganz klar, dass wir in die Top 6 wollen.“ Der Rekord-Abgang von Chibuike Nwaiwu zu Trabzonspor macht Perchthaler keine Sorgen. „Da haben wir mit Cheick Diabaté guten Ersatz. Auf anderen Positionen könnte es noch ein oder zwei Zugänge geben.“ Schließlich haben die Lavanttaler den Cup-Titel zu verteidigen – bekommen es im Viertelfinale aber mit Red Bull Salzburg zu tun. „Wir sind amtierender Cupsieger und wollen auch heuer wieder dahin. Wir werden alles versuchen, diese Runde zu überstehen“, spekuliert Perchthaler mit dem nächsten Coup.
SK Rapid
Nach einem durchwachsenen Herbst hofft Markus Katzer, dass es mit dem neuen Trainer Johannes Hoff Thorup wieder bergauf geht. „Er hat sich in einem Hearing durchgesetzt. Wichtig für uns war auch seine Arbeit bei Nordsjælland, einem Klub, der dafür bekannt ist, dass er junge Spieler ausbilden kann.“ Einen neuen Stürmer, der dafür sorgt, den xG-Wert von -7,7 wieder ins Positive zu drehen, hat Rapids Sport-Vorstand aber noch nicht. „Wir werden die Sache mit Antiste (Kaufverpflichtung; Anm.) klären, dann sehen wir uns nicht gezwungen, etwas zu tun. Klar ist, dass wir nur einen Spieler verpflichten, der uns auch weiterhilft.“
SV Oberbank Ried
„Die Top 6 wären ein absoluter Coup“, will sich Rieds Sportchef Wolfgang Fiala von Platz 6 des Aufsteigers in der Herbstsaison nicht blenden lassen. „Es geht darum, dass wir, wenn der Schiedsrichter am 32. Spieltag abpfeift, in der Liga bleiben. Dann war es eine erfolgreiche Saison.“ Für den Rieder Erfolg nicht unwesentlich ist, dass die Mannschaft von Max Senft zwölf ihrer 23 Tore aus Standardsituationen erzielt hat – einen Anteil von mehr als 50 Prozent schaffte kein anderes Team. „Als Verein, der nicht die finanziellen Mittel wie andere Klubs hat, ist das eine super Möglichkeit, den unplanbaren Fußball etwas planbarer zu machen. Deshalb investieren wir da auch extrem viel Trainingszeit“, will Fiala auch weiterhin auf diese Innviertler Spezialität setzen.
FK Austria Wien
Einen neuen Weg hat Michael Wagner, der im Herbst Manuel Ortlechner als Sportdirektor abgelöst hat, bei der Wiener Austria eingeschlagen. „Wir wollen in Zukunft wieder auf mehr Eigengewächse setzen, österreichische Talente forcieren und den Übergang zur Kampfmannschaft verbessern. Das hört sich“, weiß Wagner, „immer gut an, dass da viel mehr dazugehört, ist uns auch bewusst. Wir müssen jetzt einmal die Ruhe im Verein finden, um diesen Weg durchgehen zu können.“ Das heißt aber nicht, dass bei der Austria nur noch 17-Jährige spielen werden. „Die Routiniers müssen bei mir noch mehr Verantwortung übernehmen, weil sie die Aufgabe mittragen, die jungen Spieler zu entwickeln.“ Bei Sanel Saljic, der seinen Vertrag bis 2030 verlängert hat und in der nächsten Saison die Nummer 10 tragen wird, ist das schon gelungen.
TSV Egger Glas Hartberg
„Es können gefühlt zehn Mannschaften um die Top 6 spielen“, ist für Erich Korherr Platz 4 nach 15 Runden nur „eine Momentaufnahme“. Was sich der TSV-Obmann durchaus vorstellen kann: Dass die Hartberger nach Max Entrup bei der EM-Endrunde 2024 auch bei der WM 2026 wieder mit einem Spieler vertreten sind. „Elias Havel hat aufgrund seiner Schnelligkeit berechtigte Chancen, dabei zu sein. Aber er wird sicher ein sehr gutes Frühjahr brauchen, um dabei zu sein.“ In den USA wäre der Führende der Torschützenliste, der vom LASK nur geliehen ist, wohl schon ein echter Hartberger. Die Kaufoption soll im Frühjahr eingelöst werden.
SK Puntigamer Sturm Graz
Michael Parensen hat sich in der Winterpause für Fabio Ingolitsch als Nachfolger für Jürgen Säumel entschieden. „Weil er komplett in der Spielidee ist, weil er es gewohnt ist, junge Spieler zu entwickeln, was für uns ein enorm wichtiger Punkt ist. Mit seiner Klarheit und seinen Adaptionen hat er schon in Altach der Mannschaft eine Struktur gegeben, die auch wir hinbekommen müssen.“ Was die Grazer, die in der Heimtabelle nur den vorletzten Platz einnehmen, auch wieder hinbekommen müssen: „Wir müssen die Fans wieder mitnehmen und Liebenau wieder zur Festung machen. Das ist ein ganz großer Punkt, weil das auch die Emotionalität unseres Klubs widerspiegelt.“
LASK
„Didi Kühbauer hat uns neues Leben eingehaucht“, weiß LASK-Sportchef Dino Buric genau, wem die Linzer Platz 2 nach der Herbstsaison zu verdanken haben. „Seine direkte und klare Art der Kommunikation“ hätten der Mannschaft nach dem Fehlstart ebenso geholfen wie „die kleine Systemumstellung, die der Abwehr mehr Stabilität gibt.“ Und die „kleine Lücke" im Kader, die sich durch die Umstellung auf Dreier- bzw. Fünferkette auftat, konnte außerdem mit Xavier Mbuyamba geschlossen werden, der einst bei Barcelona und Chelsea ausgebildet wurde. Ob da sogar der Meistertitel möglich ist: „Wir hatten einen sensationellen Lauf, den wir gerne fortführen möchten. Aber wir wissen auch, dass wir in vielen Spielen am Limit waren“, nimmt Buric das M-Wort nicht in den Mund. Zu einer kleinen Kampfansage lässt er sich aber doch hinreißen: „Wenn wir unsere Leistung abrufen, sind wir ein unangenehmer Gegner für alle Mannschaften.“
FC Red Bull Salzburg
Mit einem Sieg gegen den FC Basel ist Salzburgs neuer Sportchef Marcus Mann perfekt in seine Aufgabe gestartet. „Bei Aston Villa werden wir nicht ganz so hoch gewinnen“, fürchtet der Deutsche, „aber wir werden hinfahren, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“ Und vielleicht sogar noch den Aufstieg in die K.-o.-Phase der Europa League schaffen. Ob nach der Winterkrone auch der Meistertitel nach Salzburg geht? „Wir würden gerne Meister werden, aber das wollen andere auch. Und wir wissen aus den letzten beiden Jahren, dass das kein Automatismus mehr ist“, bleibt Mann vorsichtig. Ziemlich sicher ist er hingegen, dass der Abgang von Top-Torjäger Petar Ratkov kompensiert werden kann. „Wir sind der Meinung, wir haben Spieler im Kader, die ihn ersetzen können. Aber wir sind uns bewusst, dass man neun Tore auch erst einmal erzielen muss.“
Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures