07. Mai 2026
Die Liga der außergewöhnlichen Spannung
Wo gibt es das schon in Europa? Für jeden der zwölf Klubs der ADMIRAL Bundesliga steht zwei Runden vor Schluss noch eine ganze Menge auf dem Spiel. Die Meisterschaft: völlig offen. Der Kampf um Europa: nicht prognostizierbar. Der Abstiegskampf: Ein Fall für fünf Mannschaften. Kurzum: Der Endspurt ist an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Wir zeigen für jeden Klub, worum es in den finalen 180 Minuten geht und werfen dabei auch einen Blick auf das Restprogramm.
LASK (33 Punkte)
Vom Rohrkrepierer zum Titelanwärter Nummer 1 – was ist das für eine verrückte Saison für den LASK! Holen die Linzer aus den letzten Spielen gegen Salzburg (H) und bei der Austria (a) vier Punkte, ist ihnen das Double nicht zu nehmen. Es könnte am Sonntag aber auch schon ein Punkt reichen, wenn Sturm das Steirer-Derby gegen Hartberg verliert. Schlimmstenfalls wird die Kühbauer-Elf Dritter – was nach acht Runden wohl jeder unterschrieben hätte, angesichts der aktuellen Ausgangslage aber fast schon eine Enttäuschung wäre.
SK Puntigamer Sturm Graz (31 Punkte)
Noch immer lebt die Chance auf den Titel-Hattrick – ein besonderes Kunststück, das in der Liga-Geschichte (seit 1974) nur Austria Wien, dem FC Tirol Innsbruck und Red Bull Salzburg gelungen ist. Da man aber bereits zwei Punkte Rückstand auf den Leader LASK und noch dazu kein Sternchen in der Tabelle hat, werden wohl zwei Siege über Hartberg (a) und Rapid (H) und ein Linzer Punkteverlust nötig sein, um ganz oben zu landen.
FC Red Bull Salzburg (29 Punkte)
Dem einstigen Serienmeister droht eine dritte titellose Saison in Folge – ein ungewohntes Gefühl in der erfolgsverwöhnten Mozartstadt. Um die Chance auf den Titel am Leben zu halten, ist ein Sieg am Sonntag beim LASK Pflicht. Gelingt das nicht, droht schlimmstenfalls sogar Platz vier oder fünf, verbunden mit dem Play-off für den Europacup. Es wäre die mit Abstand schlechteste Platzierung des Klubs seit dem Einstieg von Red Bull 2005.
SK Rapid (27 Punkte)
Mit der 1:3-Niederlage beim LASK sind auch die Titelambitionen der Hütteldorfer flöten gegangen. Jetzt kommt dem Derby am Sonntag gegen die Austria die große Bedeutung zu, mit einem Erfolg die direkte Qualifikation für den Europacup abzusichern. Sollten Hartberg und die Austria ihre letzten beiden Spiele gewinnen und Rapid in der letzten Runde gegen Sturm nur Unentschieden spielen, könnte sogar Platz 6 und das Europa-Aus drohen.
FK Austria Wien (26 Punkte)
Zwar verlief die Meistergruppe bis jetzt nicht nach dem Wunsch der Violetten, lediglich die beiden Spiele gegen Hartberg wurden gewonnen. Aber: Mit einem erfolgreichen Schlussspurt im Derby und gegen den LASK wäre bei idealer Konstellation sogar noch Platz zwei drin. Aber auch hier gilt: Die Gefahr, als Sechster am Ende ganz in die Röhre zu schauen, ist noch nicht gebannt.
TSV Egger Glas Hartberg (22 Punkte)
Werden die bisherigen Trends der Saison bestätigt, werden die Steirer wohl als Sechster ins Ziel einlaufen. Gelingen allerdings Siege gegen Sturm (H) und in Salzburg, könnte man sich noch für das Europacup-Play-off qualifizieren. Da man im Gegensatz zur Austria über das Sternchen verfügt, könnten sogar vier Punkte aus den beiden Partien ausreichen. Es wäre ein überragendes Abschiedsgeschenk für den scheidenden Trainer Manfred Schmid.
SV Oberbank Ried (28 Punkte)
Immerhin eins steht fest: Der Aufsteiger kann nicht mehr absteigen und kann fix für die Saison 26/27 planen. Mit fünf Punkten Vorsprung ist auch die Chance auf die Teilnahme am Europacup-Play-off außerordentlich hoch, wenn auch bei zwei möglichen Niederlagen gegen den WAC (H) und in Altach (a) noch nicht ganz fix, da gleich drei Teams mit 23 Zählern lauern. Platz eins in der Qualifikationsgruppe wäre auch deshalb wichtig, um das besagte erste Play-off-Spiel auf heimischem Boden austragen zu können.
SCR Altach (23 Punkte)
Wie verrückt diese Saison ist, zeigt sich am Beispiel Altach: Zwischen Europacup-Qualifikation und Abstieg ist für den Cupfinalisten noch alles drin! Gelingen zwei Siege gegen den GAK (a) und Ried (H), könnte man Platz eins ins Visier nehmen (vorausgesetzt, Ried holt am Samstag maximal einen Punkt gegen den WAC), bei zwei Pleiten wäre man unter unglücklichen Umständen Letzter. Da die fünf letztplatzierten Teams innerhalb von nur drei Punkten liegen, sind viele Konstellationen dazwischen denkbar.
WSG Tirol (23 Punkte)
Wundertüte Hilfsausdruck! Klare Niederlagen gegen den GAK oder Blau-Weiß Linz, Sieg gegen den Qualigruppen-Primus Ried – wer mag da schon prognostizieren, wie viele Punkte die Wattener gegen Blau-Weiß Linz (H) und den RZ Pellets WAC (a) noch holen? Das Sternchen sorgt immerhin für einen kleinen Vorteil im Kampf um Europacup-Play-off und / oder Klassenerhalt, der derzeit noch völlig offen ist.
Grazer AK 1902 (23 Punkte)
Dank eines unglaublich starken Starts in die Qualifikationsgruppe mit drei Siegen hat sich das Team von Ferdinand Feldhofer in eine gute Ausgangsposition im Kampf um den Klassenerhalt gebracht. Gebannt ist die Gefahr mit den beiden finalen Spielen gegen Altach (H) und vor allem bei Blau-Weiß Linz, das zu einem echten Abstiegs-Showdown werden könnte, aber noch nicht. Auch für die Grazer ist aber auch Platz zwei und das Play-off um Europa noch drin.
RZ Pellets WAC (22 Punkte)
Was für eine Alptraum-Saison für die Lavanttaler, vergangene Spielzeit noch Cupsieger und Titelanwärter bis zur finalen Runde. Immerhin konnte man sich mit dem 4:1-Sieg in Altach etwas Luft verschaffen und sich vom Tabellenende absetzen. Die letzten Gegner heißen nun Ried (a) und WSG Tirol (H). Und so verrückt es klingt: Trainer-Feuerwehrmann Thomas Silberberger könnte das Team auch noch nach Europa führen.
FC Blau-Weiß Linz (20 Punkte)
Selbst die Linzer, die einen Großteil der Saison auf dem letzten Tabellenplatz verbrachten und nach einem kurzen Abstecher auch jetzt das Tabellenende zieren, dürfen sich vor den Spielen gegen die WSG Tirol (a) und den GAK (H) Hoffnungen auf Europa machen, da auch sie nur drei Punkte vom Play-off-Platz entfernt liegen – und sogar mit dem Sternchen ins Rennen gehen. Doch daran wird beim Tem von Michael Köllner, das von Runde 26 bis 29 einen fulminanten Zwischensprint mit zehn von zwölf möglichen Punkten und einer Tordifferenz von 11:0 (!) hinlegte, niemand denken. Aber es zeigt, wie viel Dramatik in den kommenden beiden Runden steckt – für alle Beteiligten.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures