10. März 2026
Die Meisterschaftsentscheidungen in 6 Thesen
Wer wird Meister, wer steigt ab? Wie schneiden Austria und Rapid ab, wer wird Torschützenkönig, wer gewinnt die Qualifikationsgruppe? Und kann es noch knapper werden als im Vorjahr? Die Antworten liefern sechs Thesen, die sich aus den Opta-Daten des Grunddurchgangs speisen.
These 1: Die ADMIRAL Bundesliga bekommt einen Premieren-Meister
Sechs Klubs konnten sich bisher in der Bundesliga-Ära (seit 1974/75) den Meisterteller sichern – RB Salzburg (17; inkl. 3 A. Salzburg), Austria Wien (14), FC Tirol/W. Innsbruck (7), Rapid (7), Sturm Graz (5) und der GAK (1). Mit dem LASK und dem TSV Hartberg stehen zwei Klubs in der Meistergruppe, denen ein Titel in der ADMIRAL Bundesliga noch fehlt.
Die Linzer warten seit dem historischen Double im Jahr 1965 auf den zweiten großen Wurf. Dafür, dass man sie 61 Jahre später auf der Rechnung haben muss, steht alleine schon Didi Kühbauer. Wäre der nach neun Runden vom WAC gekommene LASK-Trainer als FC Kühbauer angetreten, er hätte den Grunddurchgang mit 47 Punkten als überlegener Tabellenführer beendet. Was die Athletiker auszeichnet: Einmal in Führung, sind sie nicht mehr zu knacken. Nach zwölf Führungstreffern brachten sie elf Siege und ein Remis über die Zeit. Ihre sechs Tore in der Nachspielzeit sind ebenso unerreicht, wie ihre zehn Konter- und acht Kopfballtore.
Mit nur drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Red Bull Salzburg will auch der 2026 noch ungeschlagene TSV Hartberg das Image des Underdogs ablegen und selbstbewusst in die entscheidenden zehn Runden gehen. Und die Schmid-Elf hat allen Grund dazu: Sie ist die Mannschaft mit der besten Chancenauswertung (14,1%) sowie der höchsten Schussgenauigkeit der Liga (52,2%) und kennt mit acht Toren aus Vertikalangriffen am besten den direkten Weg zum Tor. Nicht umsonst führt der schnelle Elias Havel (gemeinsam mit Otar Kiteishvili) mit zehn Toren die Torschützenliste an. Aber auch defensiv haben’s die Oststeirer drauf: Lukas Spendlhofer ist mit einer Quote von 71,2 Prozent der beste Zweikämpfer der Liga und sorgte mit dafür, dass die Hartberger um 6,7 Gegentore weniger kassierten als es die Chancen-Qualität ihrer Gegner zugelassen hätte (Liga-Bestwert).
These 2: Auf die Fans wartet die spannendste Meisterschaftsentscheidung
Kann es noch spannender werden als im Vorjahr, als in der letzten Runde noch drei Mannschaften Titelchancen hatten? Abwarten! Schon in den 22 Runden des Grunddurchgangs gab es in Europas Top-17-Ligen keine, in der es so eng zuging, wie in der ADMIRAL Bundesliga. Nur fünf Punkte trennten den Sechsten TSV Hartberg vom Tabellenführer Red Bull Salzburg. Österreich am nächsten kam noch die polnische Ekstraklasa, in der die Top 6 innerhalb von acht Punkten liegen, in den Niederlanden waren es mit Stand 9. März hingegen 29.
In der Vergangenheit war es in der heimischen Punktejagd nur zweimal vergleichbar knapp: 2007/08, als der Abstand zwischen Platz 1 und 6 ebenfalls fünf Punkte betrug und 2011/12, als es sogar nur 4 Zähler waren. In beiden Fällen wurde der Tabellenführer damals NICHT Meister.
Mit dieser Statistik würde der aktuelle Tabellenführer Sturm Graz natürlich gerne aufräumen, auch wenn er nach der Punkteteilung von fünf Teams gejagt wird, die alle in Schlagdistanz von nur drei Punkten liegen. Was außer Top-Torschütze Otar Kiteishvili für den Titelverteidiger spricht: Keiner spielt öfter zu Null (9-mal), keiner kann in der zweiten Halbzeit mehr zulegen (58% der Tore in Hälfte 2).
Mit den Salzburger Bullen, die die Meistergruppe bisher fünf Mal gewinnen konnten, werden die Grazer auch heuer rechnen müssen. An ihre Passqualität von 83,3 Prozent (bei 11.600 Pässen, fast 2.000 mehr als der zweitbeste WAC) kommt keiner heran, keiner belagert das Tor so vehement wie Konaté & Co. (640 Strafraumaktionen), keiner hat eine „längere Bank“ – die Salzburger jubelten bereits über 11 Joker-Tore.
These 3: Die Wiener Klubs beenden die Meistergruppe gut wie nie
Zum vierten Mal stehen Austria und Rapid gemeinsam in der Meistergruppe. Wenn das bisher der Fall war, waren ein 3. Platz der Violetten und ein 5. Platz der Grün-Weißen (jeweils in der Saison 2021/22 und 2024/25) die beste Ausbeute. Rapid war zwar 2020 und 2021 Vizemeister, die Austria steckte damals aber in der Qualifikationsgruppe.
Warum es diesmal besser für die beiden Wiener Traditionsklubs ausgehen könnte? Nun, weil beide auf ihre Art Spezialisten auf dem Gebiet der immer wichtiger werdenden Standards sind, aus denen mittlerweile 33 Prozent der Tore resultieren. Die Austria erzielte acht Tore aus Ecken und ist damit das erfolgreichste Team der Liga, Rapid wiederum hat als einzige Mannschaft noch kein Gegentor nach Eckbällen kassiert.
Defensiv lassen die Violetten die wenigsten Schüsse zu (218), offensiv stellen sie mit Abu Barry den besten Dribbler (44 erfolgreiche Dribblings) und mit Johannes Eggestein den Topscorer (9 Tore, 6 Assists), dessen Scorer seinem Verein auch noch die meisten Punkte sichern (bisher 18!). Rapid hat mit Raux Yao (70,0%) und Cvetkovic (69,0%) zwei der drei besten Zweikämpfer in seinen Reihen, was auch erklärt, weshalb die Hütteldorfer mit 53,3 Prozent die beste Zweikampfquote aller Teams aufweisen.
These 4: In der Qualifikationsgruppe gibt es einen neuen Sieger
Rapid (2019), Austria (2020), Hartberg (2021), WSG Tirol (2022), WAC (2023 und 2024) und LASK (2025) heißen die bisherigen Sieger der Qualifikationsgruppe, die in der Folge in den Playoffs um einen Europacup-Startplatz zitterten.
Mit dem WAC und der WSG Tirol sind diesmal nur zwei „alte" Sieger dabei, ist der Weg frei für einen neuen? Der SCR Altach und die SV Ried dürfen auf jeden Fall damit spekulieren. Die Altacher könnten dabei auf ihre Defensive bauen und erstmals dafür sorgen, dass das Team mit den wenigsten Gegentoren (bisher 23) aus der Qualifikationsgruppe kommt. Garant dafür wäre Torhüter Dejan Stojanovic, der nach 22 Runden der Mann mit der besten Fangquote (72,6%) ist.
Die Rieder sind hingegen das einzige Team in der ADMIRAL Bundesliga, das mehr als die Hälfte ihrer Tore nach Standardsituationen erzielte. Auch aufgrund ihrer Überlegenheit im Luftraum, die sich in 955 Luftzweikämpfen (43 pro Spiel) manifestiert, von denen alleine Nikki Havenaar 177 gewonnen hat. Kein anderer Spieler knackte auch nur die 100er-Marke!
These 5: Der Torschützenkönig kommt aus der aus Qualifikationsgruppe
Zwar führen Elias Havel und Otar Kiteishvili mit je zehn Toren die Torschützenliste an, bis zu fünf Anwärter auf die Torjägerkrone lauern aber in der Qualifikationsgruppe auf ihre Chance. Bisher ist dieses Kunststück nur Giacomo Vrioni gelungen. Der damalige Torjäger der WSG Tirol hat 2021/22 die 19 Tore von Karim Adeyemi eingestellt und dafür gesorgt, dass zwei Trophäen für die besten Torjäger vergeben werden mussten. Allerdings erzielte Vrioni zwei Tore in den Playoffs, die heute nicht mehr in die Wertung kommen würden.
Diesmal sind gleich zwei Vertreter seines Ex-Klubs in der Verlosung dabei. WSG-Kapitän Valentino Müller trifft wie nie zuvor und liegt nur einen Treffer hinter dem Führungsduo. Es wäre allerdings eine Sensation, wenn erstmals seit Steffen Hofmann in der Saison 2009/10 wieder ein Mittelfeldspieler die Stürmer düpiert. Außenseiterchancen muss man Müllers Klubkollegen Nikolai Baden Frederiksen einräumen, der zwar erst sieben Tore auf dem Konto hat, diese aber in nur 15 Spielen erzielte, weil er erst im Laufe der Saison dazustieß. 2020/21 war der Däne schon einmal für 18 Tore gut und musste sich nur Patson Daka geschlagen geben.
Im erweiterten Kreis: Kingstone Mutandwa (Ried, 8 Tore), Ramiz Harakaté (GAK, 7 Tore) und Patrick Greil (Altach, 7 Tore).
Unter den Assistgebern hat der Wolfsberger Dejan Zukic mit bisher acht Vorlagen alle Trümpfe in der Hand, um die Nachfolge von Dominik Fitz anzutreten.
These 6: Vom Kellerduo steigt keiner ab
Wenn es nach den Opta-Prognosen geht, steht zu 90 Prozent fest, dass sich der GAK und Blau-Weiß Linz den Abstieg untereinander ausschnapsen werden. Die beiden Nachzügler des Grunddurchgangs müssten mindestens drei bzw. sechs Punkte aufholen, um auch noch andere Klubs, mit in den Abstiegskampf zu ziehen. Das könnte gelingen, wenn die Linzer ihre Großchancen wie bisher verwerten: 41 Prozent sind ebenso Liga-Höchstwert wie ihre 49% an angekommenen Eckballflanken.
Die Grazer Rotjacken müssen eigentlich nur dafür sorgen, dass ihr Top-Torjäger Ramiz Harakaté weitermacht wie im Grunddurchgang. Wenn der Franzose getroffen hat, was immerhin in sechs Spielen der Fall war, verlor der GAK nämlich kein Match.
Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures