20. März 2026
GAK-Keeper Stolz: „Jetzt träumen ist gefährlich“
Franz Stolz steht zwar „nur“ auf Leihbasis beim GAK im Tor – doch der Steirer brennt lichterloh für die Mission, den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern. Im Interview mit bundesliga.at spricht er über Leihgeschäfte, Zu-Null-Spiele und „komische“ Kochrezepte.
Hat sich Tino Wawra (Anm.: Sportdirektor) schon wegen des Gehalts bei dir gemeldet?
(lacht laut) Nein, er hat mich noch nicht angesprochen, worüber ich relativ froh bin…
Du hast nach dem 2:0-Sieg über den WAC gesagt: „Wenn ich immer zu null Spiele, würde ich sogar auf mein Gehalt verzichten.“
Das war aus der Erleichterung über den wichtigen Sieg heraus und natürlich als Spaß gemeint. Aber ganz ehrlich: Wenn es da eine Möglichkeit gäbe, wäre ich schon zu sehr viel bereit. Aber die gibt es natürlich nicht.
Du hast in deinem sechsten Spiel für den GAK erstmals die null gehalten. Wie wichtig ist so ein persönliches Erfolgserlebnis? Erst recht, da ja ein paar spektakuläre Paraden dabei waren…
Es freut mich persönlich, ist aber nicht das Wichtigste. Wir hätten auch schon zwei Runden zuvor gegen Ried zu null spielen können, haben uns dann aber noch ein Eigentor in der Nachspielzeit gefangen. Über einen Sieg freue ich mich jedenfalls mehr. Ich sage so: Ich gewinne lieber 5:4, als dass ich jede Runde 0:0 spiele. Wobei es ja auch immer auf die Saisonphase ankommt, wie die Dinge gewichtet werden. Aktuell zählt jedenfalls nur die Mannschaft und dass wir die nötigen Punkte einfahren.
Gutes Stichwort: Der GAK steht gut da, hat weniger Rückstand auf den Play-off-Platz für den Europacup als Vorsprung auf den Abstiegsrang.
Es bringt uns gar nichts, jetzt vom Europacup zu träumen. Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen so schnell wie möglich den Klassenerhalt fixieren. Erst wenn das geschafft ist, können wir über etwas anderes reden. Wenn wir davor schon zu träumen beginnen, wird es gefährlich. Jeder weiß, dass wir in der letzten Runde auswärts bei Blau-Weiß Linz antreten müssen, die noch dazu das Sternchen haben. Dieses Endspiel möchten wir unbedingt vermeiden.
Du bist im Jänner zu einem Klub zurückgekehrt, den du aus dem Nachwuchs kennst, bist allerdings „nur“ Leihspieler. War es schwer, sofort eine Bindung zum Verein aufzubauen?
Überhaupt nicht! Ich wusste genau, was mich erwartet: ein sehr familiärer Klub, ein großer Traditionsverein. Ich wohne wieder daheim in Bruck an der Mur, fahre 30 Minuten zum Training, kenne viele Leute von früher. Ich bin sehr froh, wieder hier zu sein.
Bei deiner Verpflichtung hieß es „vorerst bis Saisonende“ – kann aus dem vorerst etwas Längerfristiges werden?
Ich sag‘s ehrlich: Ich habe keine Ahnung! Ich beschäftige mich auch wirklich nicht damit. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle, mein voller Fokus gilt aber nur dem GAK.
Wie verfolgst du die Lage bei deinem Stammklub Genua? Von den letzten vier Spielen wurden drei gewonnen, unter anderem die AS Roma geschlagen.
Ich schaue mir meistens die Ergebnisse und die Highlights an, ganze Spiele nicht. Klar würde es mich sehr freuen, wenn sie in der Serie A bleiben. Aber auch hier gilt: Ich beschäftige mich erst so richtig mit dem Thema, wenn es auch ansteht.
Du warst zuvor auch schon ausgeliehen, hast ein Jahr bei Rapid Bukarest gespielt. Rumänien statt Italien – war das schwer zu verdauen?
Ja, es war schon eine riesige Umstellung. Ich habe es anders erwartet, es wurde mir anders kommuniziert. Aber das ist der Fußball, damit muss man klarkommen. Es ist eine weitere Erfahrung, die ich gemacht habe.
Wie war das Leben in Bukarest?
Wenn du von Österreich nach Italien gehst und extrem glücklich bist, dann aber von dort wegmusst und nach Rumänien geschickt wirst und es da nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast – das ist weder sportlich noch privat einfach. Das Leben in Bukarest ist schon okay, aber in Italien hat es mir besser gefallen.
Sportlich lief es in Wellen, die bei reiner Betrachtung von außen schwer nachvollziehbar sind. Wie war es aus der Innenansicht?
Ich habe bei Genua ein Jahr nicht gespielt, wollte mich eigentlich schon im Sommer 2024 verleihen lassen, weil ich unbedingt spielen wollte. Dann rief mich der neue Besitzer von Genua an, der auch der Besitzer von Rapid Bukarest ist, und wollte unbedingt, dass ich nach Rumänien gehe, um dort Praxis zu bekommen. Als ich aber dorthin kam, meinte der Trainer im ersten Gespräch: Den Tormann tausche ich sicher nicht! Mal war ich im Tor, dann wieder draußen, irgendwann habe ich gar nicht mehr gespielt und wusste: Ich will hier so schnell wie möglich weg. Daher war ich richtig froh, dass es mit dem GAK geklappt hat.
Du hast deine meisten Spiele als Profi in St. Pölten unter Stephan Helm absolviert. Fast schade, dass es weder im Grunddurchgang noch in der Qualigruppe zum Wiedersehen kam bzw. kommt, oder?
Es gab ein Wiedersehen, da wir unser letztes Testspiel vor dem Ligastart gegen die Austria bestritten haben. Da haben wir viel gequatscht. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, auch wenn es mit dem Aufstieg leider nicht geklappt hat. Stephan Helm hat mich fußballerisch auf ein ganz anderes Level gebracht und uns als Mannschaft extrem weiterentwickelt. Und auch menschlich ist er ein super Typ.
Wenn man dich googelt, stößt man oft auf einen Koch gleichen Namens. Hast du Talent in der Küche?
(lacht) Das habe ich auch schon mitbekommen. Ich koche gern, bin aber eher der einfache Koch. Manchmal bereite ich mir auch komische Gerichte zu, bei denen ich alles zusammenwerfe, egal ob es wirklich zusammenpasst. Hauptsache, es ist effektiv für den Körper.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures