16. Apr. 2026

LASK-Striker Samuel Adeniran: „Coach Didi hat die richtigen Werkzeuge“
LASK-Stürmer Samuel Adeniran spielt eine bärenstarke Saison und ist einer der Garanten dafür, dass die Linzer ein heißer Titelanwärter sind. Vor den beiden richtungsweisenden Spielen gegen Sturm Graz, die die Linzer an die Tabellenspitze spülen können, baten wir den 27-jährigen US-Amerikaner mit nigerianischen Wurzeln zum großen Interview.
Dein Name Adeniran bedeutet so viel wie „Erbe der Krone“. Kommst du aus einer königlichen Familie?
(lacht) Physisch nicht, wenn dann spirituell… Meine Eltern sind beide in Nigeria geboren und aufgewachsen, die Familie stammt vom Yoruba-Stamm. Sie gingen in die USA, als mein Vater Fußball-Profi war.
Folgende These: Wenn der LASK die nächsten beiden Spiele gegen Sturm Graz gewinnt, werdet ihr als Meister die Könige der Liga.
Es wäre großartig, Titel zu gewinnen. Aber wie wir immer sagen: Das wichtigste Spiel ist das nächste. Darauf sind wir fokussiert. Wir spielen zweimal nacheinander gegen Sturm, das wird nicht einfach. Aber wenn wir beide Partien gewinnen, bringt uns das in eine sehr gute Position.
Da hätten wir uns von einem US-Amerikaner aber jetzt einen forscheren und optimistischeren Ansatz erwartet…
Ich habe schon oft gehört, dass die amerikanische Mentalität als positiver als die europäische wahrgenommen wird. Das trifft auch auf mich zu. Aber ich finde den Ansatz, sich immer voll auf das nächste Spiel zu fokussieren, total sinnvoll. Wenn man das konsequent umsetzt, kann man damit Großes erreichen.
Der LASK gewann von den letzten neun Duellen gegen Sturm nur zwei, dafür aber das jüngste mit 3:1. Du hast zwei Assists zum Sieg beigetragen. Ein gutes Omen?
Für einen Stürmer ist es immer gut und wichtig, Scorerpunkte zu liefern. Wir haben aber viele Jungs im Team, die wichtige Aufgaben erfüllen, auch wenn sie keine Tore schießen. Das Entscheidende ist, dass jeder dem Team dort hilft, wo er es am besten kann. Für mich heißt es, Tore und Assists zu liefern, wobei es noch wichtiger ist, dass das Team gewinnt.
Du hast insgesamt dreimal gegen Sturm gespielt. Wie schätzt du die Mannschaft ein?
Ein großer Klub, gegen den es immer eine riesige Herausforderung ist. Zwei Titel gewinnt man niemals aus dem Nichts heraus, dafür muss man eine Top-Mannschaft sein. Dementsprechend groß ist unser Respekt vor ihnen. Wir wissen aber auch, was wir tun müssen, um ihnen wehtun zu können.
Sonntag in Linz, Mittwoch in Graz – fühlt sich ein bisschen wie Europacup an, oder?
Definitiv! Das ist aber auch etwas, bei dem man vorsichtig sein muss. Wenn man zwei so wichtige Back-to-back-Spiele innerhalb von vier Tagen hat, muss man genau auf seinen Körper achten, da spielt die Regeneration zwischen den Spielen eine große Rolle. Wir sind aber Profis genug, um damit umgehen zu können. Wir werden für Sturm bereit sein!
Fünf Teams können sich Hoffnung auf den Titelgewinn machen. Du bist weit gereist in deiner Karriere. Hast du ein so enges Titelrennen schon mal erlebt?
Nein, das ist wahrscheinlich das spannendste. Ich bin in den USA aufgewachsen und war es dort gewohnt, dass Meisterschaften im Play-off-Modus entschieden werden. Das ist etwas ganz anderes als in Europa, wo das Team mit den meisten Punkten am Ende Meister wird. Aber ich mag den Stil hier, weil es bedeutet, dass gegen Ende der Meisterschaft viele spannende Spiele stattfinden, die entscheidenden Charakter haben. Mittendrin zu sein in so einer entscheidenden Phase ist ein großartiges Gefühl. Auf dieser Welle wollen wir reiten.
Der LASK ist nicht nur in der ADMIRAL Bundesliga Titelanwärter, sondern steht auch im Cupfinale. Es könnte das beste Jahr deiner Karriere werden…
Ja, stimmt, und das, obwohl ich noch nicht einmal eineinhalb Jahre hier bin. Ein großes Lob an meine Teamkollegen und den ganzen Staff beim LASK. Ich empfinde es als Segen, hier mit diesem Team um Titel zu spielen.
In der Liga kommt ihr aus der Underdog-Rolle, im Cup seid ihr der Favorit gegen Altach. Was liegt dir mehr?
Ich halte nichts von Kategorien wie Favorit oder Außenseiter. Altach ist ein sehr guter Verein, der im Halbfinale Salzburg geschlagen hat. Hier in Österreich gewinnt fast immer das Team, dass an diesem speziellen Tag die bessere Leistung zeigt. Jeder kann jeden schlagen, die Tabelle hat da keine große Aussagekraft. Wenn du nicht bereit bist, deinen Gegner zu respektieren und ihm nicht zutraust, dir wehtun zu können, wirst du es immer schwer haben.
Du hast für den LASK sieben Tore und fünf Assists in der Liga gesammelt, dazu kommen drei Treffer im Cup. Wie zufrieden bist du mit deiner persönlichen Leistung?
Viel wichtiger finde ich, dass meine Tore auch zu den Punkten führen, die uns derzeit in der Tabelle gut dastehen lassen. Scoren und zu verlieren, macht mich nicht glücklich. Ich bin zufrieden mit meiner Performance, weiß aber auch, dass noch mehr möglich ist. Ich muss jetzt dranbleiben und weiterkämpfen, es kommen ja noch wichtige Spiele.
Zusammen mit Moses Usor bildest du eines der erfolgreichsten Stürmer-Duos der Liga. Warum funktioniert ihr zusammen so gut?

Um ehrlich zu sein: Wir haben schon eine spezielle Verbindung, weil wir beide nigerianische Wurzeln haben. Wir sind eher Brüder als Teamkollegen. Wobei ich auch mit anderen Offensivspielern wie Sasa (Anm.: Kalajdzic) funktioniere. Es ist sicher ein großer Vorteil von uns als LASK, dass wir ein so gutes Teamgefüge haben, bei dem jeder dem anderen hilft. Wir unterstützen und gegenseitig, immer zum Wohle des Teams. Das unterscheidet gute von sehr guten Mannschaften.
Der LASK hatte einen schwachen Start in die Liga, aber als Didi Kühbauer übernahm, wurde ein fulminanter Turnaround geschafft. Ist er nur ein guter Trainer oder ein Zauberer?
(lacht) Ich nehme schon an, dass er sich für einen Zauberer hält… Nein, war nur ein Witz, das würde er nie von sich denken. Coach Didi weiß genau, welche Werkzeuge er in die Hand nehmen muss, um uns zu helfen. Er hat uns Selbstvertrauen gebracht und gibt jedem die Freiheiten, so Fußball zu spielen, dass er seine Stärken einbringen kann.
Zur Wahrheit gehört allerdings, dass du auch unter seinem Vorgänger Sacramento gescort hast.
Mein Ansatz ist: Egal, welchen Trainer du hast, du musst immer bereit sein, dich den jeweiligen Anforderungen anzupassen und dein Bestes zu geben. Das haben wir natürlich auch zu Saisonbeginn probiert, aber es funktioniert eben nicht immer. Das ist manchmal so, vor allem, wenn ein neuer Trainer kommt. Aber egal, wer uns führt – jeder muss jeden Tag das Beste aus sich herausholen.
Du hast in deiner Karriere schon für sehr viele Klubs gespielt, aber nirgendwo warst du länger als aktuell beim LASK. Warum fühlst du dich hier so wohl?
Stimmt, bevor ich herkam, hatte ich schon viele Orte gesehen. Aber hier habe ich mich auf Anhieb wohlgefühlt. Was sicher auch am Umfeld des Klubs liegt. Ich mag Österreich sehr, die Menschen sind sehr nett, vor allem die Mitarbeiter des Klubs. Ich bin einfach gerne hier. Wenn wir zu Auswärtsspielen reisen, denke ich oft, was für ein schönes Land mit Bergen und Seen es hier ist. Dazu kommen die LASK-Fans, die mich sehr herzlich willkommen geheißen haben.
Du bist in Houston, Texas geboren, dort ist auch ein Schauplatz der WM im Sommer. Wirst du dir in den USA ein paar Spiele ansehen?
Wenn es sich ausgeht – warum nicht? Ich war 2014 als Zuschauer bei der WM in Brasilien, das war ein fantastisches Erlebnis. Leider ist Nigeria nicht qualifiziert, und als Amerikaner hoffe ich natürlich, dass das US-Team ein gutes Turnier spielt. Ich werde aber auch sicher ein Auge auf Österreich haben. Am meisten freue ich mich auf das Match Österreich gegen Argentinien, weil ich schon immer großer Messi-Fan war. Das wird sicher interessant.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures