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12. Mai 2026

Reini Ranftl FK Austria Wien Jubel

Ranftl vor Duell mit LASK: „Wir sind eklig zu bespielen“

Austrias Duracell-Hase Reinhold Ranftl (34) läuft und läuft. Vor dem brisanten Showdown mit seinem Ex-Klub LASK sprach er mit uns über seine zwei Herzen in der Brust, sein Fitnessgeheimnis, was die Linzer so unglaublich stark macht und die Veilchen Lokalrivalen Rapid voraus sind, warum er noch selten mit einem Spieler gekickt hat wie Abu Barry und Sascha Horvath ein WM-Kandidat ist.

Nach dem Derbysieg gab's für die Austrianer ausnahmsweise zwei Tage frei. Das ist unter Stephan Helm eher selten. Dass man Reinhold Ranftl selbst in dieser Zeit in der Generali Arena antrifft, spricht für den personifizierten Trainingseifer des 34-Jährigen. Der zeigt sich beispielsweise auch an einem Tag mit Vormittagstraining, da spult er noch bis 16 Uhr sein Programm ab. Das ist wohl der Grund, warum er trotz bald 300 Bundesliga-Partien (286 sind es genau) noch wie ein Duracell-Hase läuft. Bei jedem (!) Pflichtspiel stand er diese Saison von Beginn an und bei den meisten davon über die volle Distanz am Platz. Weshalb die Veilchen seinen Vertrag wohl verlängern werden und mindestens noch ein Jahr auf seine Dienste setzen. Vor dem brisanten Duell mit seinem Ex-Klub LASK – bei dem sich seine alte Liebe den Titel und seine neue einen Europacupplatz sichern kann (So., 14:30 Uhr), stand der sympathische Steirer bundesliga.at in unserer Serie „11 Fragen“ Rede und Antwort.

1. Ein Unentschieden würde dem LASK am Sonntag zum Titel reichen. Der Austria zum fixen Europacupplatz, falls Rapid nicht gegen Sturm gewinnt. Wird das eine Partie, in der keiner riskiert?

Wir werden ins Spiel gehen, um es zu gewinnen, weil wir können uns nicht auf andere verlassen. Unser Ziel ist ein positiver Saisonabschluss zuhause mit drei Punkten. Dann schauen wir wie die anderen spielen. Natürlich wird auch der LASK voll motiviert nach Wien kommen, die wollen das jetzt über die Ziellinie bringen. 

2. Die Austria war zumindest phasenweise im Titelrennen. Was fehlt aus deiner Sicht auf den LASK?

Für unsere Verhältnisse holen wir wirklich das Maximum raus. Wir haben nicht die individuelle Qualität eines LASK, so ehrlich muss man sein. Wir machen das eher über das mannschaftliche Gefüge. Sie können jeden einzelnen Ausfall ersetzen. Wir nicht in dieser Form. Das ist der größte Unterschied. Der LASK steht für mich zurecht ganz vorne, hat die meiste individuelle Qualität. Da kann sonst in der Liga keiner mithalten. Sie sind aktuell für mich die beste Mannschaft in Österreich.

3. Trotzdem war der LASK zum Start der Saison ganz hinten, dann kam dieser unglaubliche Trainereffekt mit Didi Kühbauer. Hat dich das überrascht?

Natürlich. Zu Beginn hat man zwar schon gesehen, wie gut sie Fußball spielen können, aber da hat diese Mentalität, die sie jetzt an den Tag legen, noch gefehlt. Didi Kühbauer kriegt es überall hin, dass jeder Spieler 100 Prozent auf seinem Toplevel spielt, und das sehr konstant. Als Trainer sieht man klar seine Handschrift.

4. Und welche Spieler machen den LASK so stark? Von deiner Zeit bei den Linzern ist ja nur noch Andrade da.

Sascha Horvath LASK

Der hatte damals schon eine unglaubliche Qualität und hat nochmal einen Riesen-Step nach vorn gemacht. Genauso im Zentrum vor ihm Bogarde, mit seinen fußballerischen Skills. Didi hat ihm von der Mentalität nochmal extrem weitergebracht. Dazu ist Sascha Horvath ein Unterschiedsspieler und für mich ein WM-Kandidat. Er spielt eine überragende Saison und ist für mich aktuell der beste Bundesliga-Spieler. Er ist unglaublich flink, bewegt sich in den Zwischenlinien. Wenn du ihn nicht gleich stoppst, wird es schwer. Nicht zu vergessen: Ihr Sturm mit Usor, der sich leider verletzt hat, Kalajdzic und Adeniran - eine Maschine. Aber wenn wir unsere Stärken auf den Platz bringen, brauchen wir uns vor ihnen nicht verstecken, gerade zuhause vor unseren Zuschauern.

5. Wie stark ist noch dein Bezug zu Linz?

Mein Herz schlägt für zwei Vereine. LASK und Austria – da hab ich meine längste Zeit verbracht. Meine erfolgreichste hatte ich beim LASK, mit dem bin ich aufgestiegen, Teamspieler geworden, bis ins Europa League Achtelfinale gekommen, was uns keiner zugetraut hätte. Das mit dem Wechsel ging dann ganz schnell. Eigentlich dachte ich, ich beende meine Karriere beim LASK, weil ich war beim Transfer ja schon 29. Ich komm immer wieder nach Linz auf die Gugl, hab mich sehr gefreut über ihren Cuptitel. Vielleicht haben am Sonntag beide Vereine Grund zur Freude. Aber wir werden ihnen nichts schenken und 90 Minuten alles geben. Für uns ist ja noch einiges möglich. Mit einem Europacupplatz am Ende, wäre es eine Top-Meisterschaft für uns.

Reinhold Ranftl beim LASK

6. Du hast fast jede Minute diese Saison gespielt - mit 34 Jahren! Wie machst du das?

Schau ich schon aus wie 34? (lacht) Ich fühle mich noch nicht so. Nächstes Jahr könnte ich die 300er Marke an Bundesliga-Spielen knacken. Das wäre ein Riesen-Meilenstein, auf den ich sehr stolz wäre. Ich glaube, dass ich sehr gute Gene hab. Es steckt aber auch viel Arbeit dahinter. Ich hab meine Routine und meine Abläufe. Schlaf ist sehr wichtig, selten bin ich nach 22 Uhr noch auf und dann schlafe ich bis 6:30 Uhr. Diesen Rhythmus einzuhalten, tut mir gut. Gesund essen. Porridge und Früchte in der Früh. Dann das Mittagessen hier. Viel Reis, Huhn, Gemüse und Lachs. Immer gesund: Ich hab da sehr wenige Cheat-Days. Vor jedem Training und Match mache ich eine halbe Stunde bis Stunde Mobilisations- und Stabilisationsprogramm, kurze Aktivierung. Bei den Videoanalysen sitz ich immer auf Nadeln, weil da bin ich gedanklich schon im Kraftraum. In einem gewissen Alter braucht man das einfach. Genauso nach dem Training. Dazu immer Dehnprogramm, Sauna 3 bis 4 Mal in der Woche, dazu Kältebecken. Wenn ich jeden Tag bis 20 Uhr im Stadion wäre, wäre es auch okay. Weil Fußball als Beruf zu haben, ist einfach das Geilste.

7. Eure Startelf hat heuer den zweithöchsten Altersschnitt in der Liga nach Ried. Ist ein Generationswechsel nötig?

Drago und ich heben mit unseren 34 den Schnitt halt extrem. Klar wird die Austria mit uns keine Transfereinnahmen mehr generieren, so ehrlich muss man sein. Aber ich glaub, wir geben der Mannschaft etwas. Diese Routine. Es kommt nicht immer aufs Alter an, sondern dass man Woche für Woche Leistung bringt und sich für seinen Verein zerreißt. Wir haben diese Saison aber einen Philipp Maybach eingebaut, einen Saljic, Markovic, der Matteo Schablas hat einen Riesen-Sprung gemacht. Pazourek macht es auf meiner Position in Hartberg super. In den nächsten ein, zwei Jahren wird sich einiges verändern. Aber jeder muss sich das erst verdienen. Weil die Ansprüche bei der Austria sind sehr hoch. Wir messen uns mit Gegnern wie LASK, Rapid, Salzburg oder Sturm, die ein wesentlich höheres Budget haben. Dass wir da trotzdem mithalten, macht mich stolz. Dahinter steckt harte Arbeit. 

8. Wurde dein Vertrag schon verlängert?

Nein, aber wir sind schon sehr weit. Ich fühle mich sehr wohl. Die Austria schätzt, dass ich mich in meiner Persönlichkeit sehr weiterentwickelt hab. Ich bin jetzt nicht der lauteste Spieler in der Kabine, aber ich hab ein super Verhältnis zu den jungen Spielern, geb ihnen super Feedback und will ihnen zeigen, was es heißt, den Beruf Fußballprofi zu leben und dass man nichts geschenkt bekommt. Die Jungs ziehen extrem mit, sind mit 18 im Kopf schon so weit, viel weiter wie ich damals in dem Alter. Damit man in der Bundesliga über Jahre performt, muss man sehr viel opfern, Blut und Schweiß vergießen, sonst geht es sehr schnell, dass man keine Rolle mehr spielt und man wird schneller ersetzt als man glaubt. 

9. In vier der letzten sechs Saisonen hat die Austria keine Derbyniederlage kassiert. Heuer habt ihr 3 der 4 Spiele gegen Rapid gewonnen. Warum liegt euch der Lokalrivale so gut?

Wiener Derby Rapid vs Austria; Austria Jubel

Vor dem ersten Derby hatten wir einen katastrophalen Start und bei Rapid hieß es schon, sie werden Meister. Dann haben wir mit dem Sieg den Turnaround geschafft. Das 1:1 gegen sie waren natürlich zwei verlorene Punkte, aber 3 Derbysiege sind schon was Besonderes. Wir sind eine eklige Mannschaft zu bespielen. Wir stehen tief und schalten dann sehr schnell um.

10. Diese eklige Siegermentalität verkörpert keiner mehr als Aleks Dragovic.

Ja, natürlich. Er hat Champions League Spiele, über 100 Teamspiele und Derbys für Roter Stern gegen Partizan bestritten, wo die Fans bei dir in der Kabine oder vor deiner Haustür stehen, wenn du nicht gewinnst. Wir wissen, was es heißt, ein Derby zu spielen und zu gewinnen, auch wenn es einmal dreckiger ist, da sind wir Rapid einen Schritt voraus – auch durch die Routine.

11. Bei Abu Barry hat man das Gefühl, dass er für größere Vereine bereit ist.

Barry Austria Wien

Absolut. Wenn man sieht, wie er sich weiterentwickelt hat. Es gibt nicht viele Spieler mit dieser Technik in der Liga, die so dribbeln können, mit diesen Körpertäuschungen – wenn er es schafft, das Woche für Woche auf den Platz zu bringen, spielt er in einer Top-5-Liga. Wenn er bei uns bleibt, würde mich das freuen, wenn er sich für den nächsten Step entschließt, wird ihm keiner böse sein. Ein super Mensch und Fußballer. Einen Abu wirst du nicht sofort 1 zu 1 ersetzen, weil er war ja auch nicht annähernd der Spieler als er zu uns gekommen ist, der er jetzt ist. Alles braucht seine Zeit.

Text: Christoph König; Fotos: GEPA pictures