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17. Feb. 2026

Stephan Helm, Trainer - FK Austria Wien

Stephan Helm: „Ich kann heute ganz anders mit der Mannschaft reden als vor eineinhalb Jahren"

Stephan Helm hat am Wochenende seinen dritten Derbysieg gefeiert. Im Gespräch mit bundesliga.at erklärt der Austria-Trainer warum die Violetten wieder vorne mitmischen, weshalb ihn die Ablösegerüchte nie tangierten und was er von seinen Trainermentoren gelernt hat.

Stephan, hat das Austria-Trainerteam den Derbysieg auch gefeiert oder habt ihr das den Spielern überlassen?

Wir sind nachher schon noch zusammengesessen, aber da haben wir fast schon wieder mehr darüber geredet, was diese Woche alles zu tun ist, als wirklich gefeiert. Aber ich bin schon dafür, dass die Spieler solche Momente genießen, weil sie jeden Tag viel dafür investieren müssen.

Habt Ihr euch das Spiel noch einmal angeschaut?

Das haben wir am Montag gemacht. Es gibt Dinge, die gut waren, aber es gibt auch Dinge im Detail, die wir nächstes Mal noch besser machen wollen. Ich bin überzeugt davon, dass Fußballspiele in den Details entschieden werden und da gab es im Derby schon auch Details, in denen uns Rapid vor Probleme gestellt hat. Das ist ein extrem wichtiger Punkt, auch nach Siegen nicht leichtsinnig über Dinge hinwegzusehen. Wenn man sich da zurücklehnt und glaubt, dass jetzt alles von selber weiterläuft, kann sich das schnell rächen.

Warum ist die Austria aktuell so klar über Rapid zu stellen?

Über andere Mannschaften kann ich nicht reden. Aber wir sind seit eineinhalb Jahren zusammen, viele Spieler sind immer noch die selben, wir haben den Kader nur punktuell verändert, das ist die große Basis dafür. Es ist für jeden zu erkennen, dass wir in jeder Spielphase einen klaren Plan haben. Wenn es den gibt, weiß jeder was er zu tun hat und was der Nebenmann macht. Das ist aus meiner Sicht das, was jede Mannschaft besser macht. Das ist ein Faktor, der von vielen total unterschätzt wird. Wir stehen jeden Tag auf dem Trainingsplatz und es geht immer um das gleiche. Wir analysieren, dann muss man immer wieder kleine Schrauben drehen, neue Spieler integrieren. Das ist ein Prozess, hinter dem sehr viel Arbeit steckt. Das ist der Grund, warum wir an dem Punkt angekommen sind.

Du hast gegen Salzburg dein 50. Bundesligaspiel als Austria-Trainer absolviert. Das hatte seit Thorsten Fink keiner mehr geschafft. Bedeutet dir das etwas?

Stephan Helm - Trainer FK Austria Wien

Wenn ich ehrlich bin, gar nix. Das ist nur eine Zahl und Ich war nie so der Typ für Zahlen. Das ist nicht entscheidend, entscheidend ist, was man in dieser Zeit an qualitativen Dingen schafft, welche Beziehungen man zu den Spielern aufbaut. Jedem, der sich mit der Arbeit eines Trainers beschäftigt, wird einleuchten, dass das Prozesse sind, die Zeit benötigen. Aber wenn man dieses Fundament aus Vertrauen und Wertschätzung geschafft hat, ist es ein ganz anderes Arbeiten. Auch ich kann heute ganz anders mit der Mannschaft reden als vor eineinhalb Jahren. 

Ist es nicht eine Art Genugtuung, immer noch da zu sein, obwohl es nicht erst einmal Ablösegerüchte gab?

Was Leute nicht mit mir persönlich besprechen, tangiert mich null. Ich muss mich darauf fokussieren, was ich beeinflussen kann. Damit bin ich immer gut gefahren. Wir sind in der sportlichen Leitung immer im guten Austausch, hinterfragen uns auch kritisch und sprechen Dinge, die es zu verbessern gibt, klar an. Aber was rundherum geredet wird, hat mich nie beschäftigt.

Man hat nicht erst im Derby gesehen, dass die Mannschaft als Einheit funktioniert. Hast du als Lehrer einen pädagogischen Vorteil?

Ich denke, dass man in der Trainerausbildung gut vorbereitet wird, weil die dort gelehrte Fachkompetenz, Selbstkompetenz und Sozialkompetenz wirklich die drei Kernkompetenzen für einen Trainer sind. Wenn man in diesen Bereichen ständig an sich arbeitet und dazu lernt, hat man als Trainer viele Gelegenheiten, sich als Mensch weiterzuentwickeln. Dazu kommt, dass ich das Glück hatte, von meinen Cheftrainern und Co-Trainern viel lernen zu können.

Womit wir wieder bei Thorsten Fink wären?

Thorsten habe ich in einer sehr wichtigen Phase kennengelernt. Er hat mir überhaupt erst gezeigt, was es heißt, professionell zu arbeiten. Das war ein super Einstieg. Uli Forte, der bei den Grasshoppers mein Cheftrainer war, war ein anderer charismatischer Trainer. Er hat Werte gehabt und sie auch gelebt. Von ihm habe ich gelernt, dass es im Fußball in Wellenbewegungen immer auf und ab geht, wir als Trainer aber immer gleich und in unserer Mitte sein müssen. Daran halte ich mich. Ich will am bestmöglichen für alle da sein und das gelingt mir am besten, wenn ich in meiner Mitte bleibe. Alles was von außen kommt, versuche ich so gut wie möglich auszublenden.

Als die Austria in der Vorsaison bis zur letzten Runde die Hand am Meisterteller hatte, haben viele das noch als Zufallsprodukt abgetan. Heute lauert ihr wieder nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer. Womit wärst du am Ende zufrieden?

Stephan Helm Coaching - FK Austria Wien

Zuallererst bin ich überzeugt von meiner Mannschaft und meinem Trainerteam, auf beide kann ich mich zu hundert Prozent verlassen. Wie es gerade in der Tabelle steht, spielt keine Rolle. Wir müssen weiter am Boden bleiben und unsere Leistung bringen. Wir haben jetzt einmal ein kleines Ziel, das sind die Top 6. Mit den zwei Siegen gegen Salzburg und Rapid haben wir zwei Riesenschritte dorthin gemacht, aber es ist noch nicht erledigt. Aber was in acht Wochen sein wird, hat mich noch nie beschäftigt, das sind B-products, mich interessiert nur das A-product, wie meine Mannschaft Fußball spielt. Wenn das A-product passt, wird auch das B-product passen, das ist nur das Resultat daraus. 

Wie bist du zu deiner Fußball-Philosophie gekommen?

Ich war als Spieler nur in der Regionalliga, und da als Sechser mehr ein Zerstörer. Aber es hat mich immer interessiert, wie man das Spiel mutig gestalten kann, einen Plan zu haben, wie man eine Mannschaft stärker macht. Deshalb haben damals schon alle gesagt, dass ich einmal Trainer werden muss. Auf meinen bisherigen Stationen habe ich das Spiel mit dem Ball, das bei GC immer sehr wichtig war, genauso kennengelernt wie beim LASK das Spiel gegen den Ball. Das spiegelt sich in meiner Herangehensweise sicher wider. Aber es kommt immer darauf an, wie man seine eigene Idee weiterentwickelt. Vor zwölf Jahren hat man einen ganz anderen Fußball gespielt als heute.

Die Austria will wieder mehr auf eigene Talente setzen. Mit Vasilije Markovic hat ein U17-Vizeweltmeister schon sein Bundesliga-Debüt gefeiert. Darf Ifeanyi Ndukwe auch noch ran, obwohl sein Transfer zum FC Liverpool schon beschlossene Sache ist?

Ndukwe - FK Austria Wien

Es gibt ein klares Commitment mit dem FC Liverpool, dass wir Ify ganz normal fördern. Er ist zurecht Teil des Kaders, weil er sich das verdient hat. Wenn er aber oben nicht zum Zug kommt, wird er in der zweiten Mannschaft spielen, weil er nicht zu viel Zeit auf der Bank verbringen soll, um ihn im Sommer in bestmöglicher Form an Liverpool abzugeben. Er war jetzt beim U19-Nationalteam und hat zweimal gegen Portugal gespielt, aber er hat realistische Chancen, dass er bei uns noch zu Einsätzen kommt.

Text: Horst Hötsch; Fotos: GEPA pictures