02. Apr. 2026
Trainer-Legende Daxbacher: „Helm kann meinen Rekord knacken!“
Wenn am Sonntag (14.30 Uhr, live bei Sky) die Austria beim LASK antritt, wird auch Karl Daxbacher wieder ganz genau hinschauen, was in der Raiffeisen Arena passiert. Bei den Wienern wurde er in insgesamt 21 Dienstjahren als Spieler und Trainer zur Legende, beim LASK stand er bewerbs- und ligenübergreifend 155-mal an der Seitenlinie. Wir baten den 73-jährigen „Sir Karl“, in seinen Erinnerungen zu kramen und die aktuelle Lage der beiden Klubs, die im Titelrennen voll dabei sind, zu analysieren.
Wenn am Wochenende der LASK auf Austria Wien trifft, ist es für Sie wahrscheinlich kein Match wie jedes andere. Waren das die beiden prägendsten Stationen Ihrer Trainer-Karriere?
Austria war mein Highlight als Trainer. Logisch, nach so einer langen Spielerkarriere dort. Meine herausforderndste Phase als Trainer war die zweite Amtszeit beim LASK (Anm.: 2012 bis 2015). Da hat der Klub die Lizenz nicht bekommen, auch nicht für die 2. Liga. Nach langer Überlegung habe ich mich entschlossen, den Job in der Regionalliga anzutreten. Wir hatten kaum Spieler, kein Platzt zum Trainieren, mussten bei kleinen Vereinen um Asyl ansuchen. Im zweiten Jahr sind wir dann in die 2. Liga aufgestiegen. Eine schwierige Zeit.
Als Sie 2008 vom damaligen Bundesligisten LASK zur Austria wechselten, gingen die Wogen hoch, es war einer der spektakulärsten Trainertransfers überhaupt. Wie sehen Sie die Geschichte im Nachhinein?
Wir hatten eine mündliche Vereinbarung, dass ich beim LASK bleibe. Dann kam die Austria, und ich habe Herrn Reichel (Anm.: Damals LASK-Präsident) gebeten, mich aus der Zusage rauszulassen. Das hat er letzten Endes auch gemacht. Ich habe darauf hingewiesen, dass die Austria mein Herzensverein ist und ich die Chance wahrnehmen möchte. Daher war es schwierig.
Sie haben bei beiden Klubs erfolgreiche Zeiten erlebt, mehr natürlich bei der Austria. Woran denken Sie am liebsten zurück?
Es waren insgesamt dreieinhalb Jahre bei der ersten Mannschaft, in denen wir es immer geschafft haben, uns für den Europacup zu qualifizieren. Gleich im ersten Jahr wurden wir Cupsieger, was ja bis heute der letzte Cuperfolg der Austria ist. Das sind jetzt auch schon 16 Jahre. Wir wurden dann ganz knapp Meister hinter Salzburg, sogar mit einem Punkterekord für die Austria. Ich bin heute noch sehr oft in der Generali Arena und bekomme von den Fans oft positive Rückmeldungen, dass wir damals den schönsten Fußball gespielt haben. Eine sehr schöne Zeit und sicher Highlights meiner Karriere.

Beide Mannschaften stehen in der Meistergruppe, das Rennen vorne ist unglaublich eng und spannend. Trauen Sie einem Ihrer beiden Ex-Klubs in dieser Saison den ganz großen Wurf zu?
Es wird schwierig, vor allem für die Austria. Trainer Stephan Helm schafft es meiner Ansicht nach, das Maximum aus der Mannschaft herauszuholen. Das muss man sagen, das Erreichte ist schon sehr stark. Der LASK hat unter Didi Kühbauer eine unglaubliche und beeindruckende Serie hingelegt. Da habe ich das Gefühl, dass der LASK noch bessere Chancen hat als die Austria. Auch wenn die letzten Spiele nicht mehr ganz so souverän waren wie zu Beginn der Amtszeit. Letzten Endes sind Salzburg und Sturm für mich die Favoriten, aber durch die Punkteteilung ist es wahnsinnig spannend und interessant für die Fans. Fünf Teams dürfen sich Chancen auf den Titel ausrechnen.
Mit Ihrem geschulten Trainerblick: Haben Sie eine Erklärung, wie Didi Kühbauer aus dem "struggelnden" LASK unter Sacramento einen Titelanwärter formen konnte?
Erklärung ist schwer… Fakt ist: Der Kader ist gut und stark, zu Beginn wurde nicht das Optimum herausgeholt. Didi Kühbauer hat es mit Anpfiff des ersten Spieles geschafft, das umzudrehen. Das hat mich beeindruckt. Als Außenstehender ist es schwer, eine inhaltliche Erklärung zu liefern, aber man sollte Kühbauer zu dieser Leistung gratulieren.
Was macht für Sie die Stärke des LASK-Kaders aus?
Zum einen ist er sehr groß und ausgeglichen besetzt. Ein paar Spieler haben extremen Speed, was im heutigen Fußball sehr wichtig ist. Einige Spieler haben unter Kühbauer eindeutig ihr Niveau gehoben. Sascha Horvath zum Beispiel hat sehr gute Spiele unter ihm absolviert. Dazu haben sie drei starke Mittelstürmer, das ist beachtlich, da kann von der Bank viel kommen.
Auch die Austria kam nur schleppend in die Saison, hat den Turnaround aber ohne Trainerwechsel geschafft. Wie haben Sie das verfolgt?
Bei der Austria gab es zwei, drei Situationen, dass der Trainer abgelöst worden wäre, wenn das Spiel verloren gegangen wäre. Er hat aber jedes Mal gewonnen. Es herrscht ein guter Spirit in der Mannschaft, was ich als größte Stärke der Austria sehe. Daran hat auch Aleks Dragovic einen großen Anteil. Damit schaffen sie den einen oder anderen Mangel im Kader zu kompensieren und erfolgreich zu spielen.
Helm, der beim LASK eine Vergangenheit als Co-Trainer hat, ist vom Typ her der komplette Gegenentwurf zu Kühbauer, oder?
Das stimmt zu 100 Prozent. Ich habe mich mal mit ihm unterhalten, er wirkt ruhig und fokussiert. Es gibt die unterschiedlichsten Trainertypen und auch die verschiedensten Arten, Erfolg zu haben.
Helm ist seit 641 Tagen im Amt, Sie sind mit 1.309 Tagen der längstdienende Austria-Trainer der Bundesliga-Geschichte. Trauen Sie ihm zu, Ihren Rekord zu knacken?
Oh ja, das könnte schon passieren. Dafür müsste er sich noch etwa zwei Saisonen halten. Ich fände es wünschenswert, wenn die Austria eine gewisse Kontinuität hineinbringen würde, aber es ist und bleibt ein Tagesgeschäft. Wenn er zwei-, dreimal verliert, ist er schnell wieder in der Diskussion. Dabei widerlegt er oft seine Kritiker, die ihm nicht viel zutrauen. Ich finde, er holt mehr aus dem Kader heraus als er von den Namen hergibt.
Sie haben vorhin Aleks Dragovic angesprochen, den Sie ja bereits zu Ihrer Austria-Zeit trainiert haben. Er hat übrigens unter keinem Trainer mehr Profispiele bestritten als unter Ihnen. Der Mann ist ein Phänomen, oder?
Ich war der Erste, der ihn mit 17 in die Kampfmannschaft geworfen hat, damals noch im defensiven Mittelfeld. Für mich war es auch etwas enttäuschend, dass er relativ bald zu Basel gegangen ist, obwohl ich seinen Schritt verstanden und ihm alles Gute gewünscht habe. Für mich und die Mannschaft war das eine Schwächung. Aber er hat eine tolle Karriere hingelegt. Und ich bin begeistert, wie er mit Herz und Seele auf dem Platz agiert, manchmal fast schon übermotiviert. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Routinier mit so einem Engagement bei der Sache ist. Das hilft der Austria sehr.
Wo verfolgen Sie das Match am Sonntag?
Im Fernsehen. Ich habe mir die Austria schon zweimal im neuen LASK-Stadion angeschaut, diesmal wird es am TV-Gerät sein. Dass ich der Austria etwas mehr die Daumen drücke, wird man mir verzeihen.
Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures