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24. März 2026

Mario Leitgeb WAC

WAC-Legende Mario Leitgeb: „Hütter hat meine Karriere gerettet“

Mario Leitgeb lief 234-mal in der ADMIRAL Bundesliga auf, am öftesten für den RZ Pellets WAC. Im vergangenen Sommer beendete der heute 37-Jährige seine Karriere. Wir sprachen mit ihm über seine Ex-Klubs in der Bundesliga, sein Top-3-Trainer-Ranking und seine Aufgabe bei Bayer Leverkusen.

Wenn es auf den Plätzen der Bundesliga heiß hergeht – auf welchen deiner Ex-Vereine schaust du zuerst?

Ich verfolge generell den österreichischen Fußball und die Bundesliga. Ich schaue mir schon die meisten Spiele an. Vermutlich schaue ich aber bei meinen Ex-Vereinen schon etwas genauer hin (lacht).

Vor allem beim WAC vermutlich. Dort warst du zum Schluss Kapitän, hast fast 200 Bundesliga-Spiele absolviert und wurdest 2024 hoch emotional verabschiedet.

Mario Leitgeb Abschied WAC

Ja natürlich, das war schon eine ganz besondere Zeit. Ich habe dort die größten Momente meiner Karriere erleben dürfen. Der Abschluss war ziemlich emotional, da hast du recht. In siebeneinhalb Jahren baut man natürlich eine Bindung zum Verein auf.

Der WAC spielt eine kuriose Saison und kam nach dem Abgang von Trainer Didi Kühbauer in Turbulenzen. Kannst du als ehemaliger Profi diese Kurve nachvollziehen?

Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir jeden Tag was anderes dazu ein… (lacht). Ich leide jedenfalls mit. Es ist schon sehr bitter gelaufen: Der fast gleiche Kader, der letztes Jahr fast sogar das Double geholt hätte, gerät jetzt so unter Druck. Aber ich kenne das aus meiner Karriere: Wenn es so richtig gut läuft wie unter Kühbauer, und dann kommt es zu einem Trainerwechsel, kann das schon starke Veränderungen mit sich bringen. Die Überlegung der beiden nachfolgenden Trainerwechsel war durchaus nachvollziehbar. Leider konnte aber nicht der gewünschte Erfolg beibehalten werden. Dass man so weit zurückfällt, ist aber schon außergewöhnlich.

Hast du Sorge, dass der WAC absteigt?

Wenn man in dieser Phase der Meisterschaft so weit hinten steht, sind Sorgen berechtigt. Ich hoffe natürlich, dass sie in den nächsten Wochen Abstand von „unten“ gewinnen können. Und noch kann es ja einige Klubs erwischen, da wird es derzeit noch an mehreren Orten Sorgenfalten geben.

Du hast den kompletten Aufschwung beim WAC bis in die Gruppenphase der Europa League miterlebt. Was war im Nachhinein der Hauptgrund für diesen Aufstieg?

Mario Leitgeb Jubel WAC Tor

Es waren wohl einige Faktoren. Als Christian Ilzer kam (Anm.: zur Saison 2018/19), gab es einen richtigen Cut, was Neuausrichtung, Philosophie, Idee, Klarheit angeht. Der Plan mit schnellem Kombinationsfußball und intensivem, mutigem Pressing wurde dann mehrere Jahre zur Identität des Vereins und brachte uns in zwei Europa League Gruppenphasen. Ein 4:0 gegen Gladbach, zwei Unentschieden gegen AS Rom oder zwei Siege gegen Feyenoord Rotterdam schafft man als Österreichischer Verein nur, wenn man mutig zu Werke geht. Das ging nach den erwähnten Erfolgen in den darauffolgenden Jahren leider mehr und mehr verloren.

Bei einem anderen Ex-Klub von dir, Austria Wien (2014 bis 2016), ging es damals wie heute turbulent zu. Du kamst unter Gerald Baumgartner, hast viel gespielt, kamst ins Cup-Finale, unter Thorsten Fink war deine Spielzeit geringer, ihr wurdet aber Dritter.

Die Austria war damals mein erster großer Klub. Ich habe ja erst mit 25 mein Bundesliga-Debüt in Grödig gefeiert, ein Jahr später war ich dann in Wien. Aus heutiger Sicht war ich dem Druck wohl noch nicht gewachsen. Damals herrschte Unruhe, weil ausgerechnet wir mit Grödig der Austria den Europacup-Platz weggeschnappt hatten. Der Start war dann auch nicht optimal. Und so konnten wir leider die schwierige Zeit in einem spannenden Finale in der Verlängerung im Cup gegen Salzburg knapp auch nicht mit einem Titel abschließen. Ich durfte trotzdem viele großartige Menschen kennenlernen und eine ungemein lehrreiche Zeit erleben. Rückblickend hat sie mir irrsinnig geholfen, im Spätherbst meiner Karriere die erfolgreichen Zeiten beim WAC konstant auf hohem Niveau zu bestreiten.

Auch heute noch ist es bei der Austria unruhig, trotzdem spielt die Mannschaft erfolgreich und ist im Titelrennen voll dabei. Dabei heißt es doch immer, ein ruhiges Umfeld sei so wichtig.

Mario Leitgeb Austria Wien

Unruhe zeigt ja eigentlich nur, wieviel Leidenschaft und Tradition im Verein steckt. Grundsätzlich eine tolle Sache, wenn so viele Menschen voller Leidenschaft mit ihrem Verein mitfiebern. In schwierigen Phasen braucht man aber Typen, die damit umgehen können. Das ist bei der Austria derzeit der Fall. Man scheint sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Deswegen ist die Austria völlig zurecht im Kampf um den Titel heuer dabei.

Du hast im Frühjahr 2012 ein halbes Jahr beim GAK gespielt, ihr seid beim Versuch, von der Regionalliga Mitte in die 2. Liga aufzusteigen, im Play-off am TSV Hartberg gescheitert. Wie bitter war das?

Mario Leitgeb GAK

Auch das war rückblickend eine unglaublich wertvolle Zeit. Auch wenn das zweite Spiel gegen Hartberg einer meiner dunkelsten Momente meiner Karriere war und beinahe in mein Karriereende mündete. Ich bin mit der Prämisse zum GAK gewechselt, einen Schritt zurück in die Regionalliga zu machen, um bei einem Aufstieg drei nach vorne machen zu können. Wir hatten einen riesigen Vorsprung, mussten aber noch die Relegationshürde nehmen. Ich kann mich gut erinnern, wie wir nach dem 0:3 im Rückspiel in der Kabine saßen und viele weinten, weil wir es nicht fassen konnten. Da war mein persönliches fußballerisches Ende sehr nah.

Und dann?

Rief mich Adi Hütter an und holte mich nach Grödig. Er hat sozusagen meine Karriere gerettet. Er kannte mich von seiner Zeit als Altach-Trainer, als ich bei Austria Lustenau gespielt habe, und hat irgendwas in mir gesehen. Völlig zurecht natürlich (lacht)… Für mich ein sehr glücklicher Moment, für den ich mich letzten Herbst bei einem Besuch in Monaco auch nochmals bei ihm bedanken konnte. Ohne ihn hätte es Leiti den Mittelfeldstrategen und Europacuphelden mit den sympathischen Interviews wohl nie gegeben (lacht). 

Mario Leitgeb und Adi Hütter

Der GAK spielt sein zweites Jahr in der Bundesliga und scheint dem Abstieg auch heuer zu entkommen. Warum läuft es dort so gut?

Sie haben im Winter gute Transfers getätigt, sich punktuell Stabilität geholt. Auch davor hat man schon gemerkt, dass sie defensiv immer stabiler werden. Das Selbstvertrauen ist zurück, sie haben einen guten Lauf. Dann geht es schnell, dass man plötzlich auf Rang 7 schaut und nicht auf den Abstiegsrang.

Ausgebildet wurdest du im Nachwuchs von Sturm Graz, hast dort aber nie für die erste Mannschaft gespielt. Warum hat es dort nicht gereicht?

Ich habe erst vor Kurzem erfahren, dass der damalige Trainer Franco Foda gesagt haben soll: Der Leiti ist ein guter Kicker, aber leider zu langsam. Da hatte er sicher nicht unrecht (lacht). Ich habe ein paar Mal oben mittrainiert, Testspiele mitgemacht, aber mehr auch nicht. Ich war 13 Jahre lang in der Jugend von Sturm, hab die glorreichen Zeiten als Balljunge miterlebt. Natürlich hab ich mir gewünscht, eines Tages für die Profimannschaft zu spielen. Ich habe dann eben den Weg über die 2. Liga in Angriff genommen und bin heute glücklich, wie alles gekommen ist.

Sturm wurde zuletzt zweimal Meister, hat den Cup gewonnen, ist auch heuer vorne dabei. Traust du ihnen den Titel-Hattrick zu?

Auf jeden Fall! Die längere Phase der Unsicherheit haben sie weitestgehend überwunden, das Spiel wirkte zuletzt wieder etwas stabiler. Nachdem es so knapp zugeht, sind sie auf jeden Fall auch ein heißer Kandidat. 

Du hattest in deiner Karriere eine erstaunlich hohe Zahl an Trainern, fast 30 an der Zahl. Darunter Granden wie die angesprochenen Hütter oder Ilzer, aber auch Haudegen wie Robin Dutt, Manfred Schmid oder Carsten Jancker. Von wem hast du am meisten für dich mitgenommen?

Die Liste ist wirklich unglaublich! Es waren viele prägende Figuren dabei, im Negativen wie im Positiven. Aber wenn ich drei Namen hervorheben müsste, würde ich sagen: Adi Hütter, Chris Ilzer und Gerhard Struber. Diese Klarheit, Leidenschaft und bei all diesem Druck diese menschliche, tolle Art und Weise war bei ihnen speziell und herausragend. Wenn Ersatzspieler nur Gutes über Trainer zu berichten haben, sagt das schon viel aus. Von ihnen habe ich sportlich wie menschlich sicher am meisten mitgenommen.

Du hast den Bundesliga Campus absolviert, auch in die Trainerausbildung hineingeschnuppert. Welche Pläne hast du im Fußball?

Mario Leitgeb

Ja, ich habe die B-Lizenz erfolgreich abgeschlossen. Gegen Ende meiner Karriere habe ich aber gemerkt, dass die Planung eines Kaders, die Strategien eines Klubs hinter einer Mannschaft für mich immer interessanter wurden. Darum habe ich mich mit der Management-Ausbildung beim Bundesliga Campus und einer Scouting-Tätigkeit bei Bayer Leverkusen auch bewusst dazu entschlossen, mich in Richtung Management und Kaderplanung weiterzuentwickeln. In beiden Fällen habe ich in den letzten gut eineinhalb Jahren wertvolle Einblicke in hochprofessionelle Prozesse und Abläufe im modernen Fußball gewinnen können. Nun fühle ich mich zusammen mit meiner aktiven Vergangenheit bereit für den nächsten Schritt und hoffe, in naher Zukunft bei einem Klub mitwirken zu können.

Text: Markus Geisler; Fotos: GEPA pictures