"Duell auf Augenhöhe"

7. April 2021 in tipico Bundesliga Rapid gegen Red Bull Salzburg – vom Wiener Derby abgesehen, gibt es wohl wenige Spiele, die die Fans mehr elektrisieren. Und dieses Mal ist es auch sportlich ein echter Kracher, kämpft doch der Tabellenführer (Salzburg, 29 Punkte) gegen seinen ärgsten Verfolger (Rapid, 25 Punkte) um wichtige Zähler im Meisterrennen. Noch dazu, da sich beide Teams mit spektakulären Siegen zum Auftakt der Meisterrunde richtig in Stimmung gebracht haben.

Stefan Maierhofer hat mit beiden Teams große Erfolge errungen. Der heutige Würzburg-Stürmer gehörte zur letzten Meistermannschaft von Rapid, die 2008 den Titel holte – inklusive eines 7:0-Sieges in der Mozartstadt. Und er war Teil des ersten Salzburger Ensembles, das 2012 das Double gewann. Und schoss im vorentscheidenden Spiel um den Titel ausgerechnet im Hanappi-Stadion das Tor zum 1:0-Sieg. Für bundesliga.at analysiert er das brisante Match (Sonntag, 17 Uhr) und spricht über...

 

… das legendäre 7:0 am Ostersonntag 2008:

„So ein unwirkliches Spiel habe ich nie wieder erlebt. Ich habe kürzlich wieder eine Zusammenfassung gesehen: Nachdem ich das 4:0 nach gut einer Viertelstunde geschossen habe, haben wir nicht lange gejubelt, sondern wollten sofort weiterspielen und noch mehr Tore erzielen. Diese Gier hat uns als Mannschaft ausgezeichnet. Mit Rapid bin ich zu der Zeit richtig durch die Decke gegangen, habe vorher im Derby schon zwei Tore erzielt. In dieser Woche habe ich mich so richtig in die Herzen der grün-weißen Fans geschossen.“ (Anm.: Maierhofer erzielte in 60 Spielen 38 Tore für Rapid und lieferte 13 Assists)

 

… das Meisterstück mit Salzburg in Wien 2012:

„Das war ein Kraftakt. Wir wussten: Wenn wir gewinnen, haben wir sechs Punkte Vorsprung bei nur noch drei ausstehenden Spielen. Die Rapid-Fans haben sich auf mich eingeschossen, das Match war eine hoch emotionale Angelegenheit. Deshalb habe ich auch gejubelt, als mir kurz nach der Halbzeit der Siegtreffer gelungen ist. Man darf nicht vergessen: Ich wurde in Salzburg nicht von jedem mit offenen Armen empfangen, musste mit Leistung überzeugen. Das ist mir, denke ich, gelungen.“

… die Brisanz des Duells:

„Für Rapid sind diese Spiele die wichtigsten neben dem Wiener Derby. Die Rivalität ist ja in erster Linie über die Fanszenen entstanden, und ich finde, dass sich da in Salzburg in den letzten Jahren einiges entwickelt hat. Dort gibt es mittlerweile auch einige Hardcore-Anhänger. Über die Fanpower im Allianz Stadion müssen wir nicht reden. Umso bitterer ist es für Rapid, dass wegen Corona keine Fans im Stadion dabei sein dürfen. Die Hütte wäre aus allen Nähten geplatzt, von dieser brisanten Stimmung hätten alle profitiert. Dann wäre die Qualität, die ohnehin vorhanden ist, noch besser zur Geltung gekommen.“

 

… den vorentscheidenden Charakter des Spiels:

„Für die Psychologie der Spieler ist das ganz entscheidend. Wenn du auf die Tabelle schaust und sieben Punkte Rückstand hast, ist das eine enorme Belastung. Kommt Rapid aber auf einen Punkt heran, schaut die Lage ganz anders aus. Ich hoffe, dass die Liga spannend bis zum Schluss bleibt. Deswegen finde ich das System mit der Punkteteilung auch so gut. So wird zehn Runden vor Schluss nochmal richtig Spannung geschaffen. Sonst wäre das Titelrennen vielleicht jetzt schon so gut wie entschieden.“

 

… die Formkurven beider Teams:

„Ich finde, dass die Entwicklung von Rapid hin zu dem Fußball, den sie unter Didi Kühbauer spielen wollen, immer besser zu sehen ist. Das ist eine junge Mannschaft, die durch starke Einkäufe wie zum Beispiel von Ercan Kara sinnvoll ergänzt wurde. Bei Salzburg ist die Qualität von der ersten bis zur letzten Reihe beeindruckend, sie haben ein hervorragendes Kollektiv, aus dem ein Zlatko Junuzovic herausragt, weil er immer den Unterschied ausmachen kann. Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe, allerdings mit leichten Vorteilen für Salzburg. Wie offensiv und aggressiv sie in jeder Phase des Spiels agieren – da könnte sich Rapid noch etwas abschauen. Ansonsten sind die Hütteldorfer für mich der klare Verfolger Nummer eins.“

 

… das Duell der Sturmriesen Kara vs. Berisha und in wem von beiden mehr Maierhofer steckt:

„Berisha ist einen Tick technisch besser als ich und auch als Kara. Ich habe ihn bei der deutschen U21 genau beobachtet – er macht läuferisch extrem viel und bleibt trotzdem torgefährlich. Bei Ercan, den ich sehr gut kenne, ist es ähnlich. Viele Beobachter sehen gar nicht, was er für wichtige Wege macht und dass eine Pressingaktion, die er initiiert hat, zu einem Ballgewinn führt. Dann kann es schon mal vorkommen, dass ihm die Kraft ausgeht und er im letzten Drittel etwas liegen lässt. Die großen Zeiten brechen für beide Stürmer aber erst an, sie sind noch nicht bei ihren Endstationen angelangt. Zwei richtig heiße Aktien für ihre Klubs.“

Artikel teilen: