Alexander Schlager: „Ich gehe weiter volles Risiko!“

14. April 2021 in tipico Bundesliga Endspurt um die Europacup-Plätze, Cup-Finale, EURO-Traum – LASK-Goalie Alexander Schlager stehen spannende Wochen bevor. Dabei hat der 25-Jährige gute Argumente auf seiner Seite, wie ein Blick in die Statistik verrät.

Es sind außergewöhnliche Wochen in der Karriere des Alexander Schlager, da hätte es Corona nun wirklich nicht noch gebraucht. Mit dem LASK steckt er mitten im Kampf um den Vizemeister-Titel, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt. Am 1. Mai steht das Cup-Finale auf dem Programm – und damit für ihn die Chance, den ersten großen Titel seiner Karriere zu holen. Und als Krönung mündet die Saison in die Europameisterschaft, wobei sich Schlager in den jüngsten drei WM-Qualifikationspartien den Status der Nummer 1 erarbeitet hat. „Ich weiß, es ist eine Floskel, die keiner hören mag. Aber ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, sich immer voll auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren“, sagt er im Gespräch mit bundesliga.at. „Anstatt mich mit fernen Zielen unter Druck zu setzen, will ich lieber aus dem Moment das Maximale schöpfen.“

Ein Ansatz, mit dem er in den letzten Jahren bei den Linzern sensationell gut gefahren ist. So wurde vom Backup-Goalie eines Aufsteigers innerhalb von vier Spielzeiten ein Euro-Fighter und Teamtormann. Einer, auf den sich seine Vorderleute verlassen können. Einer, der seinen eigenen Stil geprägt hat. Und sich dabei auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lässt. Stichwort: Keeper Sweepings. So bezeichnen Statistiker die klärenden Aktionen eines Tormanns außerhalb des Strafraums. Da stehen bei Alexander Schlager in dieser Saison 14 auf dem Konto, die mit Abstand meisten aller Tormänner in der Meisterrunde (Richard Strebinger, Alex Kofler und Cican Stankovic kommen auf je neun).

„Diese Art des Spiels ist beim LASK gelebtes Prinzip. Wir verteidigen hoch, pressen früh. Daher versuchen unsere Gegner oft, hinter unsere Abwehr zu spielen. Für meinen Job ist es brutal wichtig, offensiv zu verteidigen und damit Torchancen zu verhindern“, erklärt er. Und nimmt dabei in Kauf, dass eine Aktion auch mal in die Hose gehen kann. So wie zuletzt beim WM-Quali-Spiel gegen Dänemark, als er auf diese Art das 0:3 kassierte. „Ich werde auch weiterhin volles Risiko nehmen. Natürlich mit Kalkül und Augenmaß. Aber dass es bei diesem Stil Situationen gibt, wo du zu spät kommst, es crasht, du einfach falsch liegst... das gehört dazu! Das perfekte Spiel gibt es nicht. Ich sehe das als Stärke von mir und werde da sicher drauf bleiben.“

Selbstvertrauen, das sich Schlager erarbeitet hat. Und das, obwohl er durchaus mit dem einen oder anderen Rückschlag zu kämpfen hatte. Bei Red Bull Salzburg ausgebildet, wurde er dort oft verliehen und am Ende (im Sommer 2017) zum LASK transferiert. Ob man in Salzburg sein Talent etwas verkannt hat? Keine Frage, mit der sich Schlager aktiv beschäftigt. „Zugegeben: Ich habe es damals extrem schade gefunden und auch nicht ganz verstanden, dass ich in Salzburg nicht weitergekommen bin. Aber das gehört zu meinem Weg, der sich im Nachhinein als extrem wertvoll entpuppt hat. Ich wurde mit 18 nach Leipzig verliehen, musste mich generell oft in fremder Umgebung durchsetzen. Das hat mich geprägt und weitergebracht.“

Wenn es nun am Sonntag (14.30 Uhr) in der Bullen-Arena gegen seinen Ex-Klub geht, fühlt es sich immer noch nicht an wie ein Spiel wie jedes andere, auch wenn die konkrete Vorbereitung natürlich genauso professionell wie immer abläuft. „Es ist ein Match vor meiner Haustür, noch dazu gegen die beste Mannschaft Österreichs, wo du nonstop auf „ON“ sein musst. Aber ich habe ja schon einige Partien gegen Salzburg in den Knochen.“ 13, um genau zu sein, und damit so viele wie gegen keine andere Mannschaft. Die Sieg-Quote ist mit nur einem Erfolg (bei zehn Niederlagen und zwei Unentschieden) dagegen überschaubar. „Zeit, das zu ändern“, sagt Schlager mit dem ihm eigenen Optimismus. Denn beim Blick auf die Tabelle gibt es für ihn nur eine Richtung: nach oben. „Wir sind nur einen Punkt hinter Rang zwei, der würde uns gut gefallen. Mit Salzburg, Rapid und Sturm warten jetzt drei lässige Aufgaben auf uns.“

Um dieses Ziel zu erreichen, das weiß Schlager, braucht es einen Tormann in Top-Form. Und auch wenn es die eine oder andere Unsicherheit bei ihm gab, die Statistiker von OPTA weisen immer noch Top-Werte für ihn aus. Zehnmal behielt er in dieser Saison eine weiße Weste – Bestwert! 35 Pässe spielt er heuer pro Match – die meisten aller Keeper in der Meisterrunde. Und: Bei den xGoTc, den zu erwartenden Gegentoren, hat er ein schönes Plus auf dem Verrechnungskonto. Demnach hätte er in dieser Saison 22,4 Treffer kassieren müssen, geworden sind es 20. Nur Sturms Jörg Siebanhandl hat mit einem Plus von 4,3 von den Keepern der Top 6 einen besseren Wert. „Das hört sich doch gut an“, sagt Schlager. Lässt aber keinen Zweifel daran, sich aktiv mit diesen Zahlen nicht zu befassen. Er hat andere Parameter im Fokus: „Mich interessiert viel mehr, wie ich Gegentreffer, die ich bekommen habe, beim nächsten Mal verhindern kann. Da findet man oft Raum für Verbesserungen. Die Statistik ist ja nur ein Zeichen dafür, ob man diese Dinge gut umgesetzt hat.“

Mindestens acht Spiele sind in dieser Saison noch zu absolvieren, dann weiß Schlager, ob er mit dem LASK seine Ziele erreicht hat. Ein neuntes kommt allerdings noch fix hinzu – das Finale im UNIQA ÖFB Cup am 1. Mai in Klagenfurt. Dass der Gegner dort wieder Salzburg heißt, nimmt der Blondschopf lapidar zur Kenntnis. „Das war ja zu erwarten“, sagt er. Und versucht erst gar nicht zu verhehlen, wie erpicht er darauf ist, seinen ersten großen Titel zu holen. „Wir sind alle total heiß auf die Partie und wollen den Pokal unbedingt mit nach Linz nehmen.“

Um dann als Cup-Sieger und Nummer 1 zur EURO zu fahren? Alexander Schlager will das Thema, das noch zwei Monate entfernt ist, nicht zu nah an sich heran lassen, das widerspräche seinem Naturell. Trotzdem sagt er: „Ich habe die letzten drei Spiele gemacht, also will ich dran bleiben. Zu verlieren habe ich allerdings nichts. Ist doch schön, dass ich in der engeren Auswahl dabei bin.“ Es wäre die vorläufige Krönung einer beeindruckenden Karriere, die in den letzten vier Jahren so richtig Fahrt aufgenommen hat. Und der Abschluss eines spannenden Frühjahrs, das auch Profis wie er nicht alle Tage erleben. Da hätte es Corona nun wirklich nicht gebraucht...

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