Super-Derby-Sonntag in der Bundesliga Zellhofer: „Das wichtigste Spiel der Saison!“

3. Dezember 2021 in ADMIRAL Bundesliga Was für ein Super-Derby-Sonntag in der ADMIRAL Bundesliga. Mit dem OÖ-Duell LASK gegen die SV Guntamatic Ried und dem Wiener Stadt-Clash Rapid vs. Austria stehen zwei Spiele auf dem Programm, bei denen es tabellarisch und vom Prestige um richtig viel geht. „Ich freue mich irrsinnig auf diese Partien. Ewig schade nur, dass bei dieser Brisanz keine Zuschauer dabei sein dürfen“, sagt Georg Zellhofer, als Spieler, Trainer und Manager fast schon eine Liga-Legende. Das Besondere: Der 61-Jährige stand zwischen 2006 und 2011 bei allen vier Vereinen in der Verantwortung und kann hautnah nachfühlen, wieviel in dieser 17. Runde auf dem Spiel steht. Für bundesliga.at nimmt er die vier Vereine vor den Derby-Krachern unter die Lupe.

Rapid: „Hammer-Start für Feldhofer“

Bei den Hütteldorfern feiert Ferdinand Feldhofer, als Spieler grün-weißer Meistermacher 2005, seine Premiere. „Mit einem Derby seine Amtszeit zu beginnen – das ist ein Hammer-Start“, sagt Zellhofer. Und weiß genau, wovon er spricht. Als er im Oktober 2007 bei der Austria anheuerte, musste er zum Auftakt bei seinem Ex-Klub Rapid ran – und verlor ein brisantes Duell mit 0:2. „Ich finde es gut, dass mit Ferdl ein junger Österreicher diese Chance bekommt. Jetzt muss man ihm aber auch die Zeit geben, seine Vorstellungen umzusetzen.“

Dass es ausgerechnet bei dieser Mutter aller Derbies keine Zuschauer gibt, ist auch für Zellhofer ein Jammer. „Gerade bei dieser Konstellation, wo beide Mannschaften ja auch um die Meistergruppe kämpfen, hätte sich das Match ein volles Haus verdient. Gerade Rapid leidet unter diesen Geisterspielen.“ Zellhofer erinnert sich an Partien, bei denen es schon in der ganzen Woche zuvor kribbelte und die Auswärtsmannschaft mit Polizeieskorte durch ein Meer von Fans geleitet wurde. „Das war schon cool!“

Sportlich stachen Zellhofer im Herbst besonders die fantastischen Leistungen von Marco Grüll ins Auge, der auch am Sonntag ein entscheidender Faktor werden kann. „Überrascht bin ich aber nicht. Neben vielen anderen Fähigkeiten bringt er ein irrsinniges Tempo mit – einer der wichtigsten Parameter im heutigen Fußball. Ein guter Schachzug von Rapid, ihn zu holen.“

Austria: „Die Mannschaft wird zur Einheit“

„Bei der Austria wurde man nicht nervös und hat man Manfred Schmid Zeit gegeben, aus den jungen Wilden und den Routiniers eine Einheit zu formen – das scheint sich auszuzahlen, die Mannschaft wird immer mehr zu einer Einheit“, analysiert Zellhofer. In den letzten sechs Spielen kassierten die Veilchen nur eine Niederlage – und die gegen Leader Salzburg.

Die Situation am Verteilerkreis erinnert den früheren Paschinger Erfolgs-Coach etwas an die Zeit bei Sturm Graz, als aus der finanziellen Not heraus junge Spieler wie Sebastian Prödl oder Jakob Jantscher zu Top-Profis reifen konnten. „Wenn ich mir Burschen wie Jukic, El Sheiwi oder Huskovic anschaue – da steckt schon viel Potenzial drin“, sagt Zellhofer, der glaubt, dass die Violetten mit durchaus breiter Brust nach Hütteldorf kommen: „Die letzten Auftritte werden ihnen Selbstvertrauen gegeben haben, die Mannschaft kommt dem Strich immer näher. Das wird eine spannende Angelegenheit.“

Dass er bei den negativen Schlagzeilen der letzten Wochen mitgelitten hat, verhehlt Zellhofer, am Verteilerkreis Cupsieger 2007, nicht. „Ohne Details zu kennen, aber das hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich halte aber die Daumen, dass es mit dem neuen Investor wieder in eine andere Richtung gehen kann.“

 

SV Ried: „Im Wikingerdorf ist es brutal!“

Auch wenn die Zellhofer-Episode im Innviertel nur eine sehr kurze war – für das, was dort wieder einmal auf die Beine gestellt wurde, hat er aller höchsten Respekt. „Als man vor drei Jahren den direkten Wiederaufstieg verpasst hat, musste man einen Kraftakt aufwenden, um in der Spur zu bleiben. Dass der Klub dann doch wieder hochkam, zeigt, wie gut dort gearbeitet wird.“

Vor allem daheim sind die Rieder eine absolute Macht – 16 der 21 ergatterten Punkte wurden in der josko Arena geholt. „In Ried zu spielen, war noch nie leicht. Enges Stadion, gute Stimmung – in diesem Wikingerdorf zu bestehen ist für jeden Gegner brutal.“ Für Zellhofer ist klar, dass man als „kleiner“ Verein nur mithalten kann, wenn man die Basis in den Heimspielen legt. „Und das gelingt den Riedern auch gegen die Top-Teams hervorragend, obwohl sie mit Marco Grüll im Sommer einen schmerzlichen Abgang hatten.“

Und sie hatten einen nicht alltäglichen Trainerwechsel zu verdauen, was an der Mannschaft anscheinend spurlos vorüber ging. Zellhofer: „Unter Heraf waren sie extrem schwer zu bespielen, eher defensiv orientiert, immer mit Blick aufs Ergebnis. So haben sie gepunktet. Jetzt sieht man auch im offensiven Bereich eine Entwicklung.“ Wohin die in diesem Jahr führt? Zellhofer schwankt noch bei seiner Prognose: „Ich traue ihnen die Meistergruppe durchaus zu, aber es wird eng bis zum Schluss. Aktuell stehen sie völlig verdient auf Rang fünf.“ Ein Erfolg im OÖ-Derby würde jedenfalls nochmal einen mächtigen Schub geben.

LASK: „Das wichtigste Spiel der Saison!“

Für die Linzer heißt es in diesem Spiel wohl: Verlieren verboten! „Sollte es doch passieren, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie es noch über den Strich schaffen“, sagt Zellhofer. „Das wäre für mich die größte Überraschung überhaupt. Deswegen ist es für den LASK das wichtigste Spiel der Saison.“

Bei den Gründen, warum die Schwarz-Weißen heuer underperformen und aktuell sechs Punkte Rückstand auf die Top 6 haben, fällt immer wieder der Name Gernot Trauner. Also des Spielers, der den Klub im Sommer Richtung Feyenoord Rotterdam verließ. „Er war ihr Häuptling, hatte das LASK-Gen. Für mich der Profi in der Liga, der ein Spiel mit Abstand am besten lesen konnte.“

Und trotzdem ist Zellhofer überzeugt, dass der Kader mehr hergeben müsste, als es Ergebnisse und Tabelle derzeit aussagen. „Wenn alle fit sind, ist das für mich eine Top-3-Mannschaft. Aber vielleicht haben die Gegner den LASK entschlüsselt, was dazu führt, dass die Linzer selbst in einer Art Findungsphase sind, wie sie agieren wollen. Jedenfalls versuchen sie viel, es kommt aber viel zu wenig dabei heraus.“

Dass dann noch so etwas passiert wie die dramatische Last-Minute-Niederlage in Hartberg, nach der man allen Beteiligten die Konsternierung anmerkte, passt ins Bild. „So ein Erlebnis bleibt hängen“, weiß Zellhofer. „Ich gehe davon aus, dass sie alles daransetzen werden, das Derby gegen Ried zu gewinnen, um noch für eine Initialzündung Richtung Ligateilung zu sorgen. Was wiederum auch eine Chance für die Rieder sein kann. Eine mega-spannende Ausgangslage.“

Nicht die einzige an diesem Super-Derby-Sonntag.

Artikel teilen: