11 Fragen an … Bernardo: „In dieser Gruppe kann alles passieren“

4. Oktober 2022 in ADMIRAL Bundesliga

Der Brasilianer Bernardo war schon dabei, als Dinamo Zagreb vor sechs Jahren Red Bull Salzburg den Einzug in die Champions League verwehrte. Um zu erfahren, was sich bei den „Bullen“ seither geändert hat, wie Ralf Rangnick ihn entdeckt hat und für welchen Klub er unbedingt noch spielen will, haben wir den ehemaligen Deutschland- und England-Legionär mit unseren „11 Fragen“ gelöchert.

1) Tudo bem, Bernardo? Du bist neben Andi Ulmer der einzige Salzburg-Spieler, der gegen Dinamo Zagreb schon beim bitteren Aus in der CL-Qualifikation vor sechs Jahren dabei war. Wie sind deine Erinnerungen daran?

Nicht so gut. Im ersten Spiel habe ich auswärts den Elfmeter zum 1:1 verschuldet, das Heimspiel war mein letztes Spiel, bevor ich nach Leipzig gegangen bin. Wir waren fast schon durch, als wir im Rückspiel kurz vor Schluss noch den Ausgleich kassiert haben. Am Ende hat sich Dinamo für die Champions League qualifiziert, obwohl wir zwei Mal das bessere Team waren. Aber das war damals noch diese unglaubliche Serie, in der Salzburg immer wieder, oft auch unglücklich, gescheitert ist.

2) Jetzt spielt ihr zum vierten Mal in Serie in der Champions League, was hat sich seither verändert?

Als ich das erste Mal hier war, hatte die Mannschaft noch ein etwas anderes Profil. Es gab zwar auch schon junge Spieler, aber auch noch viele erfahrene. Das hat sich deutlich geändert. Es ist schwer zu erklären, aber ich glaube, wir haben eine neue Mentalität im Verein. Der Klub hat es geschafft, noch größere Talente noch jünger nach Salzburg zu holen. Man muss sich ja nur anschauen, wo diese Spieler heute alle sind – in der Premier League, bei Liverpool, bei Borussia Dortmund. Das hat einen Domino-Effekt nach sich gezogen. Salzburg wurde noch attraktiver, es kommen noch mehr Talente und wir spielen noch erfolgreicher.

3) Werden die zwei Spiele gegen Dinamo Zagreb darüber entscheiden, ob ihr den Aufstieg in die K.o.-Phase schafft?

Wir sind die zwei Underdogs in der Gruppe. Chelsea und Milan gehören zu den besten Teams der Welt, aber die ersten Spiele haben schon gezeigt, dass es sehr eng ist, dass jede Mannschaft die Chance hat, aufzusteigen. Wir haben gegen Milan und Chelsea gepunktet, Zagreb hat nach dem Sieg gegen Chelsea zwar gegen Milan verloren, hat aber auch dieses Spiel lange offen gehalten. So, es werden zwei ganz enge Spiele, die wir versuchen müssen, für uns zu entscheiden. Aber wie gesagt, ich glaube, in dieser Gruppe kann alles passieren.

4) Du warst in Leipzig, in Brighton und bist jetzt zurück bei Red Bull Salzburg, hast also bereits drei Ligen kennengelernt. Ist der europäische Fußball so, wie du ihn dir vorgestellt hast?

Es ist schwierig zu vergleichen. Ich habe nicht nur in drei verschiedenen Ligen gespielt, ich war auch in drei unterschiedlichen Szenarien. In der ADMIRAL Bundesliga, die eine sehr gute Liga, aber mit England und Deutschland insgesamt nicht vergleichbar ist, bin ich beim besten Verein. In Deutschland war ich bei einem Herausforderer und in England bei einem Nachzügler. Ich habe die drei Ligen also aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt, aber die Premier League ist zweifellos die umkämpfteste. Da gibt es keinen leichten Gegner. Was nicht heißen soll, dass es in Österreich leicht ist, zu gewinnen.

5) Dein Vater, ebenfalls mit dem Namen Bernardo, war Anfang der 1990er-Jahre einer der ersten Brasilianer bei Bayern München. Nach wenigen Monaten ist er zurück nach Brasilien, hatte er nicht Bedenken, dass du nach Europa gehst?

Es waren andere Zeiten. Der Unterschied zwischen der brasilianischen und den europäischen Spitzenteams war nicht so groß. Für meinen Vater hat es deshalb nicht so einen großen Unterschied gemacht, ob er für den FC São Paulo oder die Bayern gespielt hat. Deshalb ist es ihm auch nicht schwer gefallen, wieder zurück zu gehen. Rückblickend ist er aber schon auch stolz, einmal für Bayern München gespielt zu haben.

6) War dein Vater in deiner Leipzig-Zeit bei einem Spiel gegen die Bayern?

Ja, er war bei diesem verrückten Spiel da, das wir 4:5 verloren haben. Meine Eltern sind relativ oft in Europa und bleiben gleich länger. Dann muss meine Mutter meine brasilianischen Lieblingsspeisen kochen, die ich vermisse.

7) War es immer dein großes Ziel, in Europa zu spielen?

Mein großer Wunsch war es immer, einmal für den FC São Paulo zu spielen, mit dem mein Vater drei Mal Meister geworden ist. Mein großes Idol war Rogério Ceni, der Torhüter, der über 100 Tore geschossen hat. Aber man muss als Fußballer Entscheidungen treffen. Ich habe mich für meinen Weg entschieden und muss nichts bereuen. Und es ist ja immer noch möglich, dass ich am Ende meiner Karriere doch noch einmal für den FC São Paulo spiele.

8) Wie bist du überhaupt zu Red Bull Brasil gekommen?

Dass ich zu Red Bull Brasil gekommen bin, war ein großer Zufall. Ich habe in meiner Jugend beim Fußballverein der Supermarktkette „Pão de Açúcar“ gespielt, dessen Trainer und Sportdirektor später zu Red Bull Brasil gewechselt sind. Ich war in der U20 von Coritiba, als sie mich am Ende einer für sie enttäuschenden Saison gefragt haben, ob ich nicht die letzten beiden Spiele bei ihnen machen und sehen will, wie es mir dort gefällt. Das habe ich gemacht. Diese beiden Spiele hat Ralf Rangnick gesehen. Ich bin ihm aufgefallen und er hat mich nach Salzburg und später nach Leipzig geholt.

9) Bist du in deiner Zeit in Deutschland oder England auch in den Fokus der Seleção gerückt?

Es gab schon einmal Interesse seitens des brasilianischen Verbandes, der sich in Leipzig nach mir erkundigt hat. Ich war sicher schon einmal näher dran als jetzt, aber die Seleção bleibt immer ein Ziel. Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass ich aus Österreich den Sprung ins Nationalteam schaffe. Aber ich werde alles tun, dass ich in Salzburg wieder regelmäßig spiele und gute Leistungen bringe, dann ist nichts unmöglich.

10) Wie sind deine Hoffnungen für die WM in Katar, geht sich endlich der sechste Titel aus?

Es sieht diesmal wirklich gut aus, die Mannschaft performt richtig gut. Aber es gibt diesen Mythos in Brasilien, dass es mit dem WM-Titel nie klappt, wenn die Medien und die Menschen zu zuversichtlich sind. Eher dann, wenn die Seleção, wie 1994 und 2002, hart kritisiert wird und keiner es für möglich hält.

11) Wer sind deine Lieblingsspieler in der Seleção?

Neymar natürlich, einer der großen Namen. Er kann den großen Unterschied ausmachen. Dann Thiago Silva, er ist einfach eine Legende. Und Mateus Cunha, mit dem ich in Leipzig gespielt habe, muss ich auch nennen, weil er einer meiner besten Freunde ist.

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