11 Fragen an Andreas Schicker: „Im Erfolg braucht es Veränderung!“

17. Jänner 2023 in ADMIRAL Bundesliga

Am Donnerstag reist Sturms Sportchef Andreas Schicker ins Trainingslager nach Side (Türkei) nach, wo sich der Tabellen-Zweite derzeit auf die zweite Hälfte der ADMIRAL Bundesliga vorbereitet. „Nachdem wir unsere Hausaufgaben im Angriff und auf der Torhüter-Position erledigt haben, gehe ich eher von einem ruhigen Trainingslager für mich aus.“ Nachsatz mit dem Wissen des Insiders: „Aber man weiß ja nie, was noch alles passieren kann.“ Bevor der Flieger abhebt, stellt sich der 36-Jährige den „11 Fragen“ von bundesliga.at.

 

1. Anfang der Woche wurde mit Arthur Okonkwo ein neuer Tormann von Arsenal geholt – als klare Nummer 1 oder wird es einen beinharten Konkurrenzkampf mit Jörg Siebenhandl geben, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft und nicht verlängert wird?

Das wird die Vorbereitung zeigen. Für uns war wichtig, einen starken Torhüter zu verpflichten, das war unserer klares Ziel. Das haben wir offen kommuniziert, auch intern Jörg gegenüber. Nach der Vorbereitung werden wir sehen, wer die Nummer 1 sein wird.

2. Okonkwo ist bis Saisonende ausgeliehen – mit Kaufoption?

Nein, die gibt es nicht. Wir hatten sehr gute Gespräche mit Arsenal, sowohl mit den Leih-Managern als auch mit Per Mertesacker, der für die Akademien zuständig ist. Uns wurde signalisiert, dass wenn es passt, es über den Sommer hinausgehen kann. Fakt ist: Laut neuem FIFA-Regulativ darf eine Leihe nur maximal ein Jahr dauern, wir konnten ihn also gar nicht bis Sommer 2024 ausleihen. Trotzdem bin ich froh, dass der Transfer mit Arthur geklappt hat, der intern von Arsenal sehr hoch eingeschätzt wird.

3. Ihr habt euch frühzeitig festgelegt, den Vertrag mit Jörg Siebenhandl nicht zu verlängern, weil ihr auf der Torhüter-Position etwas Neues machen wollt. Wie hoch ist das Risiko, ein funktionierendes System aufzubrechen?

Es entspricht grundsätzlich unserer Art, mindestens ein halbes Jahr vorher zu kommunizieren, wenn wir einen Vertrag nicht verlängern wollen. Bei Jörg war es sogar noch früher, da wir ihm die Entscheidung bereits im November mitgeteilt haben. Ich weiß schon, dass es für den einen oder anderen überraschend kam. Wir haben nach vielen Analysen und Gedanken intern beschlossen, ein anderes Profil zu suchen. Ob es richtig oder falsch ist, weiß man im Fußball oft erst im Nachhinein. Jörg hat es fünfeinhalb Jahre gut gemacht, dafür sind wir ihm sehr dankbar, diese Wertschätzung genießt er. Ich denke aber, dass eine Mannschaft gerade im Erfolgsfall – und den hatten wir in den letzten zweieinhalb Jahren – immer wieder Veränderungen braucht. Auch wenn ich weiß, wie schwer es für Jörg ist, da er gerne geblieben wäre.

4. Mit Bryan Teixeira hat Sturm einen in der Liga bekannten und scorer-starken Stürmer geholt. Wie sind Ihre ersten Eindrücke von ihm?

Gut! Er ist ein offener Typ, der gut aufgenommen wurde und schnell angekommen ist. Wenn du einen Transfer aus der Liga machst, weißt du meistens schon ziemlich genau, was du bekommst. Klar ist aber auch, dass wir einen anderen Fußball spielen als Austria Lustenau. Deshalb wollten wir den Transfer so früh wie möglich fixieren, damit Bryan die Möglichkeit hat, sich an unsere Prinzipien mit und gegen den Ball zu gewöhnen.

5. Für ihn hat Sturm relativ viel Geld in die Hand genommen (Anm.: kolportiert wird etwas mehr als eine Million Euro). Ist damit auch eine Erwartungshaltung bezüglich Scorerpunkte verbunden?

Das sollte man so nicht sehen. Natürlich habe ich eine gewisse Erwartung an einen Spieler, den wir zu Sturm Graz holen. Aber man sollte ihn im Vorfeld nicht damit belasten. Warum sollte ich jetzt Druck auf ihn ausüben? Er kann ja nichts dafür, dass wir Geld für ihn ausgegeben haben… (lacht) Obwohl, eigentlich schon, er hat mit seinen starken Leistungen ja dazu beigetragen. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass er uns kurz-, aber vor allem langfristig sehr helfen wird.

6. Wie groß ist die Gefahr, dass auf der Abgangsseite noch etwas passiert? Spieler wie Alex Prass sollen Begehrlichkeiten geweckt haben…

Es ist absolut das Ziel für das Frühjahr, dass der innere Kern dieser Mannschaft zusammenbleibt. Wir haben einen guten Stamm und uns damit eine gute Basis erarbeitet. Es wäre nicht gut, das im Winter zu sehr durcheinander zu würfeln.

7. Gehört zum engeren Kern auch Manprit Sarkaria? Er soll mit seinen Einsatzzeiten im Herbst nicht ganz glücklich sein.

Der Mani ist ein Spieler, der in seinem ersten Jahr richtig gut für uns gescort hat. Im Herbst hatte er eine etwas schwierigere Phase. Er ist ein Spieler mit hoher Qualität und ich bin gespannt, wie die Vorbereitung läuft. Stand jetzt gehe ich davon aus, dass Mani bei uns bleibt.

8. Der Vertrag mit Trainer Christian Ilzer wurde schon im Herbst bis 2025 verlängert. Wir kennen aber alle die Mechanismen des Geschäfts, zumal sein Name in schöner Regelmäßigkeit bei größeren Klubs im Ausland fällt. Wie intensiv ist aktuell Ihr Trainer-Scouting?

Grundsätzlich bin ich total happy, dass Chris und sein Trainerteam sich klar deklariert haben, den erfolgreichen Weg bei uns weitergehen zu wollen. So kann man auf Kontinuität aufbauen. Parallel wissen wir alle, welche Dynamiken im Fußball entstehen können. Daher ist es meine Aufgabe, den Markt im Auge zu behalten. Ich hoffe aber, dass Chris noch lange beim SK Sturm bleibt.

9. Andernfalls würde zumindest eine stabile Ablösesumme winken…

(schmunzelt) Davon könnte man dann wohl ausgehen.

10. Vor dem Start der zweiten Saisonhälfte beträgt der Rückstand auf Red Bull Salzburg sechs Punkte, hält man das bis zur Halbierung wären es nur drei, so wenige wie noch nie seit der Liga-Reform. Bläst Sturm jetzt zum großen Angriff auf den Meisterteller?

Da muss ich auf die Bremse steigen! Ich werde nicht zum Angriff blasen, weil ich die Lage realistisch einschätze. Wir haben gute Schritte in unserer Entwicklung gemacht, trotzdem hat Salzburg nochmal ganz andere Möglichkeiten. Ich habe auch ein gutes Gefühl. Aber: Speziell im Frühjahr war Salzburg in den letzten Jahren immer unglaublich stark. Wenn es auch heuer wieder so ist, dass sie wie in den letzten Jahren im Schnitt 2,5 Punkte oder mehr in der Meisterrunde holen – das entspricht mindestens 25 Zählern – wird es schwierig. Dann brauchen wir von nichts zu träumen, was nicht realistisch ist. Sollte aber der Fall eintreten, dass Salzburg mal ein nicht so gutes Frühjahr spielt, müssen wir bereit sein, um für eine Überraschung zu sorgen.

11. Bereits vor dem Saisonstart kommt es im Viertelfinale zum Cup-Duell. Unglücklich oder genau die richtige Standortbestimmung?

Wenn du den Cup-Titel gewinnen willst – und dieses Ziel haben wir – dann musst du auch einmal Salzburg schlagen. Nun ist es eben schon im Viertelfinale so weit. Auswärts in Salzburg brauchst du einen großen Tag, das ist uns bewusst. Wir werden die Zeit der Vorbereitung aber nutzen, dass wir gleich im ersten Spiel voll da sind.

 

Redakteur: Markus Geisler

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